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Sep 02

Vor der Ernte 2008 – Nahe

Tag: Regionensigi.hiss @ 17:34

Nach den Superlativen von 2006 und 2007 erhofften sich viele einen ganz normalen Jahrgang 2008. Die Entwicklung der Reben begann auch ganz normal, die Blüte war etwa 1 Woche früher als normal. Zurzeit sind die Reben 2 Wochen weiter als normal. Das alles lässt auf einen Jahrgang hoffen, der einiges besser ist als nur „normal“.

Witterung

Der Winter war sehr mild. Die Durchschnittstemperaturen im Januar und Februar lagen fast 5 C über dem langjährigen Mittel, lediglich einen Eistag mit Temperaturen unter 0 C hatte die Wetterstation des DLR am Standort Bad Kreuznach zu erfassen. Die Monate März und April empfanden viele Menschen als eher kühl, die Temperaturen entsprachen aber den üblichen Werten für unser Gebiet. Ende April wurde es deutlich wärmer, ein so hoher Anstieg wie 2007 war jedoch nicht zu verzeichnen. Das gleiche gilt für die Temperaturen der Monate Mai, Juni und Juli. Sie liegen höher als der Durchschnitt, aber etwas niedriger als 2007.

Die Wasserversorgung war so gut wie lange nicht mehr. Im Januar fiel sehr wenig Regen. Dafür regnete es in den Monaten Februar und März sehr viel, die Mengen waren doppelt so hoch wie im Schnitt der Jahre. Der Mai begann zunächst warm und trocken, so dass schon Befürchtungen laut wurden, es würde zu Trockenschäden kommen. Um den 20. Mai trat eine Wende ein: Regen wurde vorhergesagt, Ende Mai trafen die Vorhersagen ein. Dabei fielen teilweise sintflutartige Mengen an Wasser: In Kreuznach waren es fast 60 l/m², im Alsenztal bis 80 l/m² und an der oberen Nahe in Bockenau immerhin noch 30 l/m². Vereinzelt hagelte es auch, z.B. in Biebelsheim, an der Unteren Nahe und in Duchroth. Die Schäden waren meist gering.
Die Wasserversorgung der Weinberge war so gut, dass die gemulchten Begrünungen des Roggens noch mal austrieben und im Sommer sogar noch Ähren entwickelten (s. Foto).

Phänologie

Der Austrieb erfolgte am 30. April, das ist ein Tag vor dem langjährigen Mittelwert, dem 1. Mai. Die weitere Entwicklung verlief zügig. Die Blüte begann am 7. Juni und war 3 Tage später schon abgeschlossen. Aufgrund des warmen und trockenen Wetters erfolgte ein sehr guter Fruchtansatz. Viele Beeren konnten sich an den Trauben entwickeln. Diese Daten beziehen sich auf den Standort Bad Kreuznach.

Anfang Juni wurde es insgesamt ein wenig kühler. Das bedeutete für die Reben an der oberen Nahe eine Verzögerung der Blütebeginns von etwa 10 Tagen. Die Blüte verlief dann aber auch zügig

Die weitere Entwicklung verlief sehr schnell. Die Beerchen wuchsen rasch heran und wurden recht dick. Das Stadium Erbsengröße war am 4.7. erreicht, das ist ein Vorsprung von 16 Tagen gegenüber dem Mittelwert.

Der Behang ist gut. Sowohl der Beerenansatz als auch die Fruchtgröße sind sehr gut ausgeprägt. Viele Betriebsleiter entschlossen sich zu Ertrags reduzierenden Maßnahmen. Alle Möglichkeiten wurden genutzt. Verstärkt wurde vor der Blüte schon die Traubenzone entblättert, es wurden Gescheine entfernt oder abgezwickt und auch Bioregulatoren eingesetzt. Das maschinelle Ausdünnen mit dem Vollernter findet immer mehr Interesse.

Krankheiten und Schädlinge

Erst nach den starken Regenfällen Ende Mai konnte sich die Primärinfektion der Peronospora entwickeln, der Befallsdruck im Lauf des Sommers blieb gering.

Ganz anders sieht die Situation bei Oidium aus: Bis Ende Mai blieb das Infektionsrisiko aufgrund der Trockenheit gering, Netzschwefelpräparate reichten zur Behandlung aus. Durch die Nässe und die höheren Temperaturen stieg der Befall später stark an. Es wurden auch vermehrt Zeigertriebe gefunden. Hier war eine sorgfältige Behandlung notwendig.

Die erste Generation des Traubenwicklers zeigte zwar einen gewissen Flug. Der erfolgte aber so früh und so vereinzelt, dass eine Behandlung meist unterbleiben konnte. Ganz anders die zweite Generation: Ein- und zweibindiger Traubenwickler wurden in großen Zahlen in den Kontrollfallen gefangen, so dass auch von einer Eiablage auszugehen war. Oftmals mussten 2 Spritzungen durchgeführt werden. In den Pheromongebieten trat kein Befall auf.

Auch Schwarzfäule trat auf. Die Bekämpfung ist möglich, wenn bei jeder Spritzung ein Mittel, das eine Zusatzwirkung gegen Schwarzfäule hat, verwendet wird.
Zusammenfassung

Das Jahr 2008 begann mit einem milden und regenreichen Winter und Frühjahr. Die Reben entwickelten sich gut. Der Austrieb war etwa 1 Tag früher, die Blüte war 1 Woche vor dem langjährigen Durchschnitt. Der Fruchtansatz war sehr gut. Die Trauben entwickelten sich zügig weiter. Im Moment (24. Juli) steht der Beginn der Traubenreife bei den frühen Sorten kurz bevor.

Die Trauben sind groß und kompakt. Deshalb wurden regulierende Maßnahmen ergriffen, z.B Traubenteilen bis etwa Traubenschluss oder auch die Ausdünnung mit dem Vollernter.

Der Oidiumdruck war in diesem Jahr besonders hoch. Das erfordert einen sorgfältigen Pflanzenschutz.

Der Entwicklungsstand ist alles in allem früher als im Durchschnitt der Jahre, aber deutlich später als 2007. Auch hier wird das Wetter im Spätsommer und Frühherbst für die Qualität entscheidend sein. Die Chancen für einen mehr als normalen Jahrgang sind gut.

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