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Dez 20

Cabernet Franc de Loire

Tag: Regionensigi.hiss @ 14:34

Eine französische Rebe auf Erfolgskurs

Ein Cabernet Franc de Loire ist mit seinen würzigen und beerigen Aromen der ideale Partner zum Essen. Aufgrund ihrer feinen, wohl ausdifferenzierten Tannine bieten bereits junge Cabernet Francs hohen Trinkgenuss. Gleichzeitig – und das macht das Besondere aus – reifen diese Weine sehr gut. Was den Cabernet Franc sonst noch einzigartig macht, erklärt Cabernet Franc Experte Sam Harrop in einem kurzen Interview:

Sam Harrop, Sie haben in den letzten Jahren unheimlich viel für die Rebsorte Cabernet Franc getan. Würden Sie sagen, dass sich ihr Bild in der Öffentlichkeit gewandelt hat?
Unbedingt, in der öffentlichen Meinung ist Cabernet Franc ungemein gestiegen, was eng mit der verbesserten Qualität zusammenhängt. Zwar gab es schon immer Liebhaber, die ein Faible hatten für Cabernet Franc und die den authentischen, traditionsreichen Winzern Sympathie entgegenbrachten. Und in Frankreich selbst waren Cabernet Francs auch immer beliebt, Paris ist ja traditionell der größte Absatzmarkt. Aber auf dem internationalen Parkett war Cabernet Franc nicht besonders erfolgreich, sondern wurden als nicht filigran genug empfunden, mit zu präsenten grünen Noten. Das hat sich in den letzten Jahren radikal geändert, erst kürzlich war ich bei verschiedenen Tastings dabei, bei denen die neuen Cabernet Francs richtig gut ankamen, insbesondere das jüngere Publikum war begeistert.

Ganz offensichtlich sind auch Sie von Cabernet Franc begeistert – was ist denn das Besondere an diesen Weinen? Und was macht die Loire-Variante aus?

Es sind wunderbar individuelle, fruchtige Weine mit einer tollen Nase. Dabei bleiben sie unaufdringlich, ja subtil und haben viel Eleganz und Finesse. Das besondere an der Loire ist, dass Cabernet Franc hier fast nur reinsortig ausgebaut wird, und genau das ermöglicht es, dass die Weine klar und verständlich werden und dabei das Terroir umsetzen können. An der Loire ist Cabernet Franc zuhause, hier findet man die größte Vielfalt und das kühle, aber milde Klima genauso wie die unterschiedenlichen Böden bieten ideale Wachstumsbedingungen. Gleichzeitig werden hier schon seit vielen hundert Jahren Cabernet Franc Reben angebaut, die Winzer bringen also auch einen großen Schatz an Erfahrung mit. Man kann demnach sagen, dass Cabernet Francs von der Loire individueller sind als anderswo; diese Individualität hat man beispielsweise in der Neuen Welt nicht.

Wie kam es denn, dass Sie so intensiv mit Cabernet Franc gearbeitet haben? Was war Ihre Motivation, im Rahmen des Cabernet Franc Projekts „Groupe Rouge“ mit den Loire-Winzern zusammenzuarbeiten? Was hat Sie in die Region gezogen?

Seit ich mich als Weinberater selbstständig gemacht habe, wusste ich, dass ich mit europäischen Weinregionen arbeiten wollte. Ich möchte helfen, die Vielfalt zu bewahren, die die europäische Weinwelt ausmacht und die derzeit auf dem internationalen Markt gegen eine gewisse Gleichmacherei aus der Neuen Welt mehr und mehr zurückstecken muss. Mir geht es um Diversität und Kreativität. Viele europäische Winzer machen großartige Weine, haben aber wenig Kontakt zum Markt und dessen Trends. Deswegen habe ich mich besonders gefreut, als sich die Gelegenheit ergab, an der Loire die Cabernet Franc Winzer dabei zu unterstützen, an ihren Weinen zu arbeiten und sie besser auf die Marktanforderungen abzustimmen.

Was genau haben Sie denn verändert? Was haben Sie unternommen, welche Ziele haben Sie sich gesteckt und was waren rückblickend die wichtigsten Schritte?

Ich selbst habe gar nichts verändert. Meine Arbeit bestand darin, den Winzern zu helfen, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln und das Potenzial ihrer Rebsorte und ihr Know-how voll auszuschöpfen. Viele Cabernet Franc Winzer haben genauso gearbeitet, wie schon ihre Eltern und Großeltern vor ihnen und sich dabei traditionell am Beaujolais-Stil orientiert. Ich habe sie ermutigt, dies zu überdenken und sich selbst zu überlegen, wie sie ihre Techniken am besten einsetzen und welches Vorgehen am besten zu ihren Böden und Reben passt – kurz: mit System an die ganze Sache heranzugehen und einen individuellen Ansatz für Weinberg und Keller zu entwickeln. Ein wichtiger Schritt war sicherlich der Ansatz, die in der Rebsorte ohnehin sehr präsenten Tannine nicht weiter herauszuarbeiten, sondern den Fokus eher auf Ausgewogenheit und Frucht zu legen. Ein weiterer Schwerpunkt: Die mineralischen Kalk-Böden sind ideal für den Ausbau langlebiger, trockener Weine. Für einen runderen Stil ist zudem eine strenge Sulfid-Kontrolle notwendig, daran haben wir ebenfalls gezielt gearbeitet. Bei aller Eleganz und Ausgewogenheit war uns aber wichtig, keinen Mainstream zu erzeugen, sondern Weine, die vor allem Ausdruck des Weinbergs sind.

Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus nach fünf Jahren „Groupe Rouge“? Gibt es neue Entwicklungen?

Vor allen Dingen lässt sich eine stetige Verbesserung feststellen, die Jahrgänge 2008 und 2009 sind beide hervorragend geworden – da hat natürlich auch das Wetter mitgespielt. Die Ambassadeur-Weine, die wir als Botschafter ausgewählt haben, kamen von Anfang sehr gut an bei den verschiedenen Verkostungen, in diesem Jahr besser denn je. Mittlerweile funktioniert die Groupe Rouge so gut, dass sie mich als technischen Berater nicht länger brauchen; die Winzer sind jetzt auf dem richtigen Weg. Wahrscheinlich werde ich aber weiter an der Auswahl der Ambassadeur-Weine beteiligt sein. Insgesamt war es eine unheimliche lohnende, befriedigende Aufgabe mit deren Ergebnissen ich sehr zufrieden bin.

Wo sehen Sie die Zukunft des Cabernet Franc? Was sagen die Zahlen?

Hier muss ich einschränkend sagen, dass ich hauptsächlich mit den britischen Markt kenne. Ich prognostiziere, dass sich der Erfolg der neuen Cabernet Francs 2011 deutlicher in den Zahlen niederschlagen wird als bisher. Wobei man einen Wandel im Bewusstsein nicht unbedingt gleich in den Verkaufszahlen sieht, da der britische Wein-Markt fest in den Händen der großen Supermarkt-Ketten ist, deswegen ist die Statistik an dieser Stelle nicht sehr hilfreich. Aber gerade der Verkauf an die Gastronomie und über den Händel läuft sehr gut für Cabernet Franc de Loire, deswegen würde ich die Zukunft von Cabernet Franc positiv einschätzen, aufgrund des wachsenden Interesses nicht nur in Großbritannien sondern auch in Nordeuropa, Japan und den USA. International hat der Cabernet Franc auf jeden Fall großes Wachstumspotenzial, da derzeit mehr und mehr individuelle, authentische Weine mit „Herz und Seele“ gefragt sind, und genau diese Anforderungen erfüllen viele Cabernet Francs von der Loire.

Interview mit Sam Harrop MW im Dezember 2010, frei übersetzt aus dem Englischen. Der gebürtige Neuseeländer ist Master of Wine und arbeitet seit 2004 als selbstständiger Weinberater. Er hat in den letzten fünf Jahren das Projekt „Groupe Rouge“ an der Loire betreut und gehört zur Jury der International Wine Challenge.

Hintergrund-Informationen zu Cabernet Franc
An der Loire wird im Rotweinbereich zu 51% Cabernet Franc angebaut, der auch die offizielle Leitrebsorte des vielseitigen Weinbaugebiets in Zentralfrankreich ist. Früher wurde diese Rebe „Breton“ (d.h. Bretagne) genannt, da sie wahrscheinlich auf dem Flussweg aus der Region um Bordeaux von bretonischen Schiffern über Nantes an die Loire kam. Cabernet Franc ist sowohl mit Cabernet Sauvignon als auch mit Sauvignon Blanc eng verwandt, hat aber geschmacklich mehr mit Pinot Noir gemein. Im Vergleich zum bekannteren Cabernet Sauvignon ist der Tanningehalt geringer, die Weine weisen eine deutlich geringere Adstringens auf und sind daher jünger trinkbar, können aber genauso gut herrlich reifen.

Reinsortig wird der Cabernet Franc in den Appellationen Chinon, Bourgueil, Saint-Nicolas-de-Bourgueil, Saumur, Saumur-Champigny, Anjou Rouge und Anjou-Villages angebaut. In der Appellation Touraine wird der Cabernet Franc besonders im Verschnitt mit Gamay und Côt (Malbec) verwendet. Zugleich wird er auch zur Herstellung von Roséweinen genutzt, für die er meist reinsortig (Cabernet d’Anjou und Cabernet de Saumur) ausgebaut wird.

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