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Mai 25

Frosteinbruch – Stimmen der fränkischen VDP-Winzer

Tag: Regionensigi.hiss @ 07:57
Karl Schmitt, Vorsitzender des VDP Franken.

In Franken war der 4. Mai für den Jahrgang 2011 in der Tat ein einschneidender Tag. Die in der Nacht sehr frostigen Temperaturen, teilweise bis Minus 5° C, haben  mittlere bis große Schäden angerichtet oder wie es Karl-Heinz Rebitzer vom Castell’schen Domänenamt in Castell ausdrückt:  „Es hat uns kalt erwischt.“

Manche Winzer gehen von einem Ernteausfall von bis zu sechzig Prozent aus.  Besonders vom Frost betroffen waren weniger die traditionellen Weinbergslagen, die seit Jahrhunderten als weniger frostgefährdet und daher weinbaulich als optimal gelten, sondern  meist die Hangfuß-Lagen, die Senken und Niederungen, sowie die Flächenerweiterungen aus den 1960er und 1970er Jahren, wo sich kalte Luft leichter stauen kann.  Allerdings blieben auch typische „Frostlöcher“ verschont. Eine genaue Schadensbilanz lässt sich erst erstellen, wenn abzusehen ist, ob in den geschädigten Anlagen die Beiaugen noch austreiben, auch wenn diese nicht die Fruchtbarkeit der Hauptaugen aufweisen.

„In den vergangenen Jahr sind wir in Franken von Frostschäden weitgehend verschont geblieben“, sagt Karl Schmitt, Vorsitzender des VDP Franken. „Doch die erfahrenen Winzer kennen natürlich die Gefahr der Maifröste. Wenn man in guten Jahren eine vernünftige Lagerhaltung betreibt,  kann man so eine Situation natürlich nicht ausgleichen, aber zumindest abmildern.“  Am besten hätten die großen steilen Weinbergslagen, in denen die Kaltluft abfließen konnte, den Frost überstanden. Ein kleiner Trost aber auch: Die besten Jahre,  die er erlebt habe, so Karl Schmitt, seien immer die Jahrgänge mit dezimierten Ernten durch Winter- oder Spätfrost  wie beispielsweise 1971 oder 1976 gewesen. „Diese wenigen Trauben sind dann besonders gut gewesen.“

 

 

Weingut Hans Ruck, Iphofen: Nachdem in den letzten 25 Jahren in den Iphöfer Weinbergen keine großen Schäden durch Spät-  und Winterfröste oder andere Witterungsunbilden entstanden sind, haben wir am Morgen des 4. Mai mit großem Entsetzen erhebliche Frostschäden festgestellt. Minus 4°C. waren für die in vollem Austriebssaft stehenden Weinberge in den unteren Lagen, aber auch in höher gelegenen Lagen zu viel. Müller Thurgau, Bacchus, aber auch einige Silvaner, Riesling und Scheurebe Anlagen, sowie manche Rotweinsorte hat es böse erwischt. In den untersten Lagen sind Frostschäden bis zu 100% zu verzeichnen. Eine genaue Schadensbilanz lässt sich erst in ca. 10 Tagen erstellen, da bei teilgeschädigten Anlagen abgewartet werden muss, ob die Beiaugen noch austreiben, die natürlich nicht die Fruchtbarkeit der Hauptaugen aufweisen, oder nicht. Rätselhaft ist, daß Lagen betroffen sind, in denen noch nie zuvor Frostschäden zu beklagen waren und dort äußerst ungewöhnliche Kaltluftströme geherrscht haben mussten. Vorsichtig geschätzt kann für unseren Betrieb eine Ertragseinbuße von 60% prognostiziert werden, wobei der Totalausfall bei Müller Thurgau, Bacchus und leider auch bei unserem neuen Sauvignon blanc schon jetzt feststeht. Es bleibt zu hoffen, daß die geschädigten Rebstöcke im Kopfbereich wieder austreiben und uns eine Zielrute für’s nächste Jahr zu Verfügung steht, da sonst ein Stockneuaufbau mit einem weiteren Jahr Ertragsausfall notwendig ist.

Weingut Arnold, Iphofen: Betroffen sind bei uns vor allem die  Frühsorten (Müller, Bacchus) mit etwa  80% Frostschäden. Die Spätsorten (Silvaner, Riesling, Weissburgunder, Scheurebe) an den steileren Hanglagen haben den Frost dagegen fast unbeschadet überstanden.  Rotwein: Spätburgunder keine Schäden, Domina an einem Weinberg keine Schäden, am anderen ca. 40

Weingut Michael Fröhlich (Escherndorf): Der  „Lump“, die Hanglagen des „Fürstenberg“ und auch die Hochfläche des „Escherndorfer Berg“ sind vom Frost augenscheinlich weitestgehend verschont geblieben; Spätschäden sind abzuwarten. Lediglich in den bekannten „Frostlöchern“ gibt es Schäden, die durch die „Frustrute“ nur bedingt ausgeglichen werden können. Die Anzahl der Weinberge, in denen mit Totalausfall gerechnet werden muß, liegt unter 5%. Somit können wir die starken Ertragseinbußen in unseren Qualitätswein-Weinbergen außerhalb Escherndorf´s etwas leichter ertragen. Es liegt nun an uns, mit dem status quo fachgerecht umzugehen!

Weingut Egon Schäffer (Escherndorf): In den Steillagen in Escherndorf habe ich nur geringe Schäden mit 10 – 20 %, die Müller-Thurgau-Weinberge in Escherndorf sind zu 20 – 40 % geschädigt. In Untereisenheim habe ich in meinen Weinbergen Schäden von 20-30 % beim Silvaner und 50 – 80 % bei Müller-Thurgau.  Bei Schwarzriesling und Bacchus habe ich Totalausfall. Beide haben die Nacht zum Mittwoch noch recht gut überstanden, die Nacht zum Donnerstag aber nicht.

Weingut Roth (Wiesenbronn): Die Auswirkungen des Frosts sind in Wiesenbronn  unterschiedlich.  Derzeit sind im Weingut insg. 30 % Totalausfall zu erwarten. 30 % der Fläche ist bis ca. 50% geschädigt, bei den restlichen sind vereinzelt Frostschäden festzustellen. Am stärksten betroffen sind Silvaner und Grauer Burgunder.

Fürstlich Castell’sches Domänenamt (Castell), Karl-Heinz Rebitzer: „Auch wenn der Steigerwald „besser“ davon gekommen ist, ist der Frostschaden auch hier teilweise erheblich. Die Weinberge der Domäne in Castell sind im Durchschnitt um 25 % betroffen wobei man sagen muss das der Frost nicht ausschließlich in den unteren Ausläufern zugeschlagen hat. Es gibt Lagen wie Schlossberg, Kugelspiel, Bausch wo überhaupt kein Frostschaden ist und Lagen wie Kirchberg fast im Dorf zu 30 % erfroren ist. Auch die Südlage Trautberg wurde beim Traminer mit 100 % und Silvaner zu 60 % betroffen. Bei den Rebsorten ist der Rotwein am stärksten, dann Weißburgunder und Riesling. Am besten hat es der Silvaner überstanden!! In Iphofen Julius-Echterberg wurde der Riesling mit 70 % und die Jungfelder Silvaner mit 80 % betroffen.An der Schwanleite und Kiliansberg Müller-Thurgau keine Schäden.

Juliusspital Würzburg, Horst Kolesch: Wir rechnen im Juliuspital mit einem Ertragsausfall von derzeit rund 30 Prozent, wenn sich alles noch zum Guten entwickelt. Wir profitierten in dieser Situation insbesondere durch unseren hohen Anteil von klassischen Lagen (Steillagen), die sich in den vergangenen Jahrhunderten schon bei vielen derartigen negativen Ereignissen bewährt und daher auch durchgesetzt haben. Einerseits zeichnen sich Gute Lagen gewissermaßen auch immer durch ihre Ertragssicherheit aus. Nur so kann man kontinuierliche und verlässliche Qualität erzeugen. Andererseits ist eine schmerzliche Reduzierung der Erträge auch immer eine gute Basis für eine besondere Qualität des Jahrgangs. Fazit: Wir haben schon schlechtere Zeiten erlebt, wir machen weiter!

Weingut Bickel-Stumpf (Frickenhausen): Bei den Sorten Müller Thurgau und Bacchus haben wir einen hundertprozentigen Schaden, in diesen  Anlagen sind sogar die Frostruten nicht mehr zu gebrauchen. Im Steilhang wo unsere Hauptsorten wie Silvaner, Riesling und Spätburgunder stehen haben wir nur geringe Frostschäden von ca. 10 – 20 Prozent. Auf die Gesamtfläche gesehen müssen wir mit einen Ertragsausfall von 50 Prozent rechnen.

Weingut 
Wilhelm Arnold  (Randersacker): Bei uns hat es leider ganz gewaltig zugeschlagen!

 10 % der Rebflächen zu 100 % Schaden
30 % der Rebflächen zu 30 – 50 % Schaden
60 % der Reflächen können noch nicht endgültig beurteilt werden, da die 
Triebspitzen alle erfroren sind. Wenn die Gescheine abgeworfen werden, 
dann auch hier 100 % Schaden.

Weingut Bernd Höfler (Alzenau): Wir gehören offenbar zu den wenigen Betrieben, die nur minimale Frostschäden beklagen müssen. Wir sind mit einem „blauen Auge“ davon gekommen! Hoffen wir, dass es die Eisheiligen waren.

Weingut Fürst Löwenstein (Kleinheubach), Andrea Paul: Der Homburger Kallmuth ist zum Glück von Frostschäden verschont geblieben, was letztendlich an den Gegebenheiten des Weinberges liegt. Die Mauern der Terrassen wirken als gute Wärmespeicher, zudem besitzt der Kallmuth die Form eines Parabolspiegels – der Vorteil ist, dass dadurch tagsüber mehr Wärme aufgenommen werden kann, die Nachts wiederum abgegeben wird. Auch unsere Lagen im Rheingau sind verschont geblieben. Aber im Lengfurter Oberrot müssen wir bis zu 80 Prozent Frostschäden verzeichnen.

Weingut Stadt Klingenberg, Benedikt Baltes: Rund 2 Hektar unserer Rebanlagen sind erfroren. Vor allem die Anlagen von Portugieser und Müller-Thurgau in Großheubach hat es ziemlich getroffen. Wir werden wohl 1,5 Hektar Reben entfernen und mit Spätburgunder bestocken. Aber ein Schaden bleibt allemal. Aber gut, ich kann mich trösten – es gibt Winzer, denen sind 5 oder sogar 10 Hektar erfroren. Wie kann ich mich da beschweren. Also Kopf hoch und weiter, nützt ja nichts.


 

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