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Mai 08

Sigi Hiss: 2010er Mattmann Weine

Tag: Regionen,Weingütersigi.hiss @ 15:51

Betriebsleiter Marco Casanova

2010 in Graubünden war ein Nichts, ein mickriger kleiner Vintage im Vergleich zu 2009 mit seiner schieren Kraft & Pavarotti gleichen Statur. Aber auch nur für den, der nur oberflächlich ins Glas hineinschaut. Später mehr dazu.

Würde jede Flasche des 2010er Jahrgangs in Graubünden selbst getrunken werden, tja dann hätte jeder Graubündner 16 Flaschen Weingenuss. Dabei war es nicht abzusehen ob das mit dem 2010er etwas werden oder er ziemlich in die Binsen gehen würde. Hatte man im Jahr zuvor mancherorts zu viel an Sonne oder Wärme, fehlten diese in 2010 an allen Ecken und Enden. Das sah zumindest so aus bis zum Anfang der Ernte, die Ende September startete.

Die Winzer fragten sich morgens, mittags & abends: Abwarten oder reinholen? Kommen Sonne und wärmere Temperaturen noch oder wird es sogar noch kühler? Die Risikobereiten warteten & hatten recht, sie wurden mit der sehnlichst herbeigewünschten Sonne noch belohnt. Sehr spät aber, denn die Bescherung fand erst Ende Oktober bis Anfang November statt. Wichtig waren reduzierte Erträge, die Grundlage für den Erfolg, für reifes Traubengut also. Wenn schon wenig Sonne & Wärme, dann muss man diese auf nur wenige Trauben verteilen. Wenig Sonne & wenig Trauben – passte. Wenig Sonne & viele Trauben – passte nicht.

Zurück zum oberflächlichen Hinschauen. 2010 sind mitnichten 2009er mit ihrer überbordenden Frucht, enormen Kraft und barocken Fülle. Gewaltig beeindruckend halt. Nein da sollte man das Jahr 2009 ausblenden und sich auf Eleganz und Trinkbarkeit besinnen. Dann ist man in 2010 angekommen und wird überrascht sein. Feingliedrige Weine, die das Wort Feinheit nicht nur im Werbeprospekt stehen haben, sondern, schmeckbar, im Glas. Dasselbige dann bitte nicht gleich wieder wegstellen, wenn einem das Bullige fehlt. Und bitte schon gar nicht den Winzer oder Wein sofort in die Kategorie „Mist“ einsortieren. Den Weinen und sich Zeit geben. Das hat nicht nur für das Weingut Mattmann, jetzt Cicero Weinbau, sondern für viele weitere Weingüter im Kanton Graubünden Geltung!

Die Notizen der 2010er des Weingutes Mattman

Alle Glasverschluss. Leider hatten die einzigen Weine mit Kork – Pinot Noir & DER  – einen Korkschmecker. Notizen werden nachgeliefert.

 Riesling x Silvaner: mittlere Intensität, dichter kühl-ätherischer Stil, frische Granny-Smith-Noten, grüne knackige Birne, etwas Apfelkerne, Menthol.

saftige & knackige Säure, schlanker & gradliniger Stil, feingliedrige Struktur, leicht herbe apfelige Noten, frische Apfelkerne, grüne Limettenschale, Luft tut gut, sehr langer frischer & herbfruchtiger Abgang. 14.5/20, bis 2013+

Sauvignon Blanc: offen mit ätherischen & mentholigen Aromen, Brennnessel, frisch gemähtes Gras, grüne Kräuter, Fenchelkraut, gewinnt im Glas deutlich, eigene sehr interessante Aromatik, dicht verwoben, Anis, etwas gekochter Fenchel, vegetabil aber auf animierende Art, tief.

rassig-saftiger Stil, dicht zugleich gradlinig, sehr gut ausbalanciert, feste aber saftige Säurestruktur, verschlossen, darunter die Aromen der Nase plus etwas fast Salziges, grüne Stachelbeere, gewisse Cremigkeit, mittlere Tiefe & Komplexität, eleganter nicht dicker Sauvignon Blanc, braucht Luft, Karaffe!, Grip, sehr langer geschmeidiger Abgang. 16.25/20, bis 2016

 Pinot Saignée: mittlere Intensität, anfangs etwas reduktiv deshalb Karaffe!, etwas Erdbeere & Himbeere, Kokosnoten, deutliche Barriquewürze, Luft, keine aufdringliche oder künstliche Aromatik, erdig, ehrlich.

sehr guter Mix von kraftvollem & elegantem Rose, klare Säure, Struktur durch Barrique das aber etwas zu deutlich ist, zupackender Stil, Mineralität, dezente Himbeer- & Cassisnoten im Hintergrund, unbedingt viel Luft geben, frisches Gemüse, begleitet auch ein komplettes Menü, gut balanciert, sehr langer, kraftvoller & würziger Abgang. 16/20, bis 2016+

Chardonnay: mittlere Intensität, dekantieren, Luft, feinhefige Würze & noch etwas Barriquewürze, etwas reife Williamsbirne & weißer Spargel, Boskopapfel, sehr stimmig & balanciert, dezente kühle leicht kräuterige Nase, tief, komplex, gewinnt am 2. Tag.

sehr gut balanciert, saftig zugleich mit Stil & phenolischem Grip & Kraft, klare ziselierte Säure, mit mineralischem Boden, 2 Std. dekantieren oder 1 Jahr lagern, mittig verschlossen, Aromen dito Nase plus Noten von weißen Blüten, Barrique noch leicht spürbar, sehr gutes Potenzial, wird kein cremiger sondern rassig-mineralischer Chardonnay, Zeit, gewinnt an Tag 2, sehr langer, rassig-dichter & feinwürziger Abgang. 17/20, 2013-2018

Pinot Gris: sehr dezent, braucht lange Luft, feine klare Anklänge an hellen Honig, mit Hauch süßlicher Würze im Hintergrund, Hauch Vanillewürze & Marzipan, reife Birne & etwas gelber Melone, alles sehr stimmig, hat sich seit der Fassprobe enorm positiv entwickelt, entwickelt sich auch im Glas deutlich.

dicht verwoben, klare Säure, die 14,1% sehr gut verpackt & doch kraftvoller, mittig sehr verschlossen, satte Mineralik, rassig-frische & reife helle Frucht, dito Nase nur merklich dezenter, sollte mit weiteren 1-2 Jahren & noch deutlich zulegen, guter Mix aus Kraft & Balance, kein Leichtgewicht, sehr langer, rassig-kraftvoller & gelbfruchtiger Abgang. 17.5/20, 2013-20

Q: am ersten Tag sehr verschlossen, Hauch reife Walderdbeeren & nasse Kieselsteine, elegant, kein roter Früchtekorb, erdig, das war es aber auch schon. ABER: am 2. Tag komplett andere Aromatik, offen & an den Pinot Noir & den DER erinnernd, dezent erdig, Trüffelnoten, etwas rote reife Kirsche & Waldboden, hat sich massiv geöffnet & geändert, dicht, satt.

sehr verschlossen, wirkt anfangs etwas leicht & sogar dünn, dahinter aber feste Struktur & Substanz, bestens ausbalanciert, klare & ziselierte Säure, leicht nussiges noch etwas Zeit benötigendes Tannin, mittig sehr verschlossen, Potenzial anzeigend & trotz der nur 12,5% mit Rückgrat, erdig, dezente leicht grüne Walnussschale, kein Wein für Wuchttrinker, das genaue Gegenteil eines Showweines, in sich gekehrt, aber mit langer Zukunft & innerer Qualität, Eleganz, sehr langer noch zugeknöpfter & ungeschminkter Abgang. 18/20, 2013-2022   

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