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Jun 21

Sigi Hiss: 1992 Pinot Noir Reserve Mag Johanneshof-Reinisch– kann der noch was?

Tag: Reife Weine,Weingütersigi.hiss @ 15:33

Sigi Hiss – Einer der vielen Höhepunkte der VieVinum 2012 in der Wiener Hofburg war ein reifer Pinot Noir vom Weingut Johanneshof-Reinisch. Nahe Wien, Niederösterreich, Thermenregion. Eine Weinbauregion in der sich Rot & Weiss die Waage halten (46:54). Immerhin steht mit 110 Hektar rund 1/6 des österreichischen Pinot Noir Bestandes in der Thermeregion.

Wie komme ich im Jahr 2012 an einen 20 Jahre gereiften Pinot Noir? Dazu noch an einer Veranstaltung, die reifen Weinen nicht wirklich gewidmet ist? Eine Liste der ÖWM, im Vorfeld der VieVinum verschickt, hatte nur ältere Weine enthalten. Mit eben dieser Liste bewaffnet startete ich Richtung Gebrüder Reinisch und sie waren so nett diesen 1992er mitzubringen. Meine einzige Befürchtung war, dass die Magnum in einen TCA-Umhang eingewickelt sein könnte. Am zweiten Tag also hin zu den Reinisch’s und mit großen Augen und Erwartungen gespannt den Wein einschenken lassen. Jetzt kann ich es ja sagen, aber meine Skepsis war nicht zu leugnen. Weine sind ja bekanntlich wie die Kinder des Winzers und die eigenen sind immer so eine Sache. Und jene, die schon älter und aus dem Haus sind, werden dann noch dazu mit verklärtem Blick betrachtet. Verständlich.

Kapsel weg, Korken raus, Glas befüllt. Spannung auch bei den Brüdern Reinisch. Nicht schwenken erst mal so das Riechorgan ins Glas stecken, hoppla. Dann leicht schwenken und wieder die Nase rein ins Glas. Aja, Hmmm. Nochmaliges leichtes schwenken, wieder andere Aromen und Nuancen. Das ist fast wie ein Pinot-Aromen-Carpacchio – alles in hauchdünne duftige Geruchsnuancen geschnitten. Tiefe. Komplexität. Reifer Pinot Noir Duft mit oxidativer Note, aber absolut passend und keineswegs störend. Wo man wegen der Reife erst mal kurz zuckt, dann aber schnell und mit Erleichterung feststellt, wie sich der Wein des oxidativen Teils entledigt. Was dann kommt, ist nur klasse. Da schwirrt die so bekannte Burgundersüße im Glas und ich stelle wieder mal fest, so kann nur roter Burgunder sein. Samtig. Seidig. Elegant. Süßlich. Charme.

Dann bekommt der Gaumen endlich auch was zu schmecken. Jepp. Und dieser bestätigt, eindrücklich, was die Nase zuvor ausgegraben hat. Im Mund geht es nicht weniger edel daher. Da ist sie wieder, diese filigrane Süße, dieser jetzt spürbare Samt, da stimmt alles – von nichts zu viel, von nichts zu wenig. Weder der Alkohol macht den Pinot breit noch ist die Frucht ausgezerrt, und auch das Tannin ist geschliffen, wie ein runder Stein der schon ewig vom Wasser umspült wird. Sicher, da sind keine frischen reifen Früchte, keine Barriquearomen, Nullkommanull fette konzentrierte Frucht und schon überhaupt nicht ein alles zur Seite schiebender Alkohol. Will ich auch nicht nach 20 Jahren! Nicht Bulldozer like, sondern ein original belassener Oldtimer, der gehegt und gepflegt wurde. Der scheppert nicht, der schnurrt daher und man fühlt sich mit 90 km/h in der Stunde auf der schön geschwungenen Landstraße pudelwohl. Dazu noch Sonne und man ist im puren Leben angekommen.

Kurz gesagt, ein wunderbarer reifer österreichischer Spätburgunder der Extraklasse!

Ein paar technische Daten für den Interessierten. Geerntet wurde vom 4. bis 7. Oktober und die Trauben kamen aus den Rieden Mitterfeld und Holzspur. Im Stahltank vergoren, mit einer Maischestandzeit von 2 Wochen und danach abgepresst. Den BSA hat man im großen Holzfass ablaufen lassen und weiter ausgebaut wurde die Reserve 1 Jahr im Barrique. Nur 12,5% vol Alk, normale 5,3 g/l Säure und richtig trocken mit 1,8 g/l Restzucker.

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