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Jun 22

Sigi Hiss: Römerhof Kollwentz – Weiss so gut wie Rot?

Tag: Reife Weine,Weingütersigi.hiss @ 12:56

Sigi Hiss – Der nächste aussergwöhnliche Wein von der VieVinum, Ausgabe 2012, inmitten der Wiener Hofburg. Was für eine Überraschung – zumindest für mich – als an der RWB-Probe (Renommierte Weingüter Burgenland) die Probenliste vor mir lag . Da stand im Flight 2 ein Chardonnay vom Römerhof Kollwentz, Burgenland, Neusiedlersee-Hügelland. Punkt. Ich kenne die Rotweine sehr gut, sowohl reife als auch die relativ aktuellen Jahrgänge und bin wahrscheinlich Nummer 2147 der von ihnen absolut begeistert ist. Immer wieder mal im Vorbeigehen schnell einen Weißen probiert aber ich hatte mich nie ausführlich und seriös mit was anderem als eben den Roten auseinandergesetzt. Arrogant oder snobistisch könnte man das nennen, ist es nicht, ganz ehrlich. Kollwentz gleich Rotwein, so war das halt. Und dann an der VieVinum ein 1999er Tatschler, 100 Prozent Chardonnay aus der namengebenden Riede Tatschler. Beim Einschenken dachte ich noch, na ja, gut muss das mindestens sein, sonst stände er nicht auf der Liste und jetzt bei mir im Glas. Im übrigen war da noch ein zweiter Chardonnay aus gleichem Jahrgang auf der Liste, der 1999 Tiglat des Weingutes Velich. Ein komplett anderer Stil, mit (der heute so verschrienen) deutlicher Botrytis, deswegen nicht weniger beeindruckend.

Die Riede Tatschler wird nicht bewässert, besteht aus kalkhaltiger Felsbraunerde mit hohem Schieferanteil. So steht es geschrieben auf der Webseite des Römerhofs. Weiter heißt es, durch die Ausrichtung nach Südosten werden die Reben bereits früh am Morgen von der Sonne verwöhnt. Die ersten Sonnenstrahlen sorgen für eine frühe Erwärmung am Morgen und eine rasche Abtrocknung der Beeren. Daher können die Trauben im Herbst auch lange an den Stöcken bleiben, ohne der Gefahr einer zu früh einsetzenden Edelfäule ausgesetzt zu sein. Der oberhalb der Ried Tatschler angrenzende Wald bringt in den Abendstunden kühlere Luftmassen in die Weingärten und sorgt damit für die Erhaltung einer fruchtigen Säure. Die Weingärten in der Ried Tatschler erstrecken sich von 200 bis 240 Meter Seehöhe, die Gesamtfläche beträgt achteinhalb Hektar. In der Ried Tatschler tritt das kristalline Urgestein, das den Kern des Leithagebirges bildet, zutage. Gemeinsam mit einer leichten Kalkauflage bildet es die Basis für den mächtigsten Chardonnay aus dem Hause Kollwentz.

Ich war nun richtig gespannt auf den 13 jährigen Chardonnay aus dem Hause Kollwentz, das muss ich schon zugeben. Innerlich immer noch ein hin & her zwischen „gut bis sehr gut wird er schon sein“ und „wenn der das Niveau der Roten hat, ist er genial“. Rein ins Glas und erst mal ein wohl erstaunter und mich selbst fragender Gesichtsausdruck: „Aus 1999, das kann ja fast nicht sein, hast du dich da geirrt und bist eine Zeile verrutscht, denn der zweite Chardonnay ist auch aus 1999?“ Nein ich habe mich nicht geirrt! Nicht den Ansatz von Reife in der Nase, blind auf nicht älter als 4 bis 5 Jahre geschätzt. Glasklarer Stil, pur und rein. Ich bin kein Freund des Wortes präzise in Weinbeschreibungen, verwenden tue ich es doch immer wieder mal. Und hier kommt es mir sofort in den Sinn. Und ja dieser Chardonnay hat definitiv die Klasse der roten Kollwentz’schen Weine. Grandios.

Die Notiz des 1999 Tatschler/Römerhof Kollwentz

Offen zugleich kompakt wirkend, enorme Jugendlichkeit, sehr frischer & glasklarer Stil, in keiner Weise das Alter von 13 Jahren anzeigend, feinwürzige Art, Vanille & Hauch Marzipan im Hintergrund, würzige Traubenschale, Quittenhaut, sehr tief, Quittenmark, Mirabellenhaut, feingliedrig dabei dicht & engmaschig, mit Luft gewinnt er noch an Komplexität & Tiefe, etwas nasse Kieselsteine & Zitrusfrüchte.

Satter & dichter nie fetter Stil, komplex & zugleich mit enormer Rasse, sehr klare & präzise Säure, mit Hauch phenolischem Unterton, unheimlich jung, feingliedrig & balanciert trotzdem mit festem Rückgrat, dito Nase, sehr komplex, noch langes Lagerpotenzial, wirklich eine fast salzige Note, sehr deutliche Mineralik, steht fest & klar am Gaumen, nicht der geringfügigste Ansatz einer Reifenote, enorm langer, sehr komplexer & rassiger Abgang. 19/20, bis 2026

In short words – ein unglaublicher Chardonnay der noch viel Jahre vor sich hat!

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