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Sep 26

Steffen Christmann: Auf dem Weinmarkt fehlen klassische Marken

Tag: Länder,Personensigi.hiss @ 09:22

Dem deutschen Weinmarkt fehlt nach den Worten des Präsidenten des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter, Steffen Christmann, die Golf-Klasse. war gebe es eine aufstrebende Spitzengruppe und ein breites Angebot von Basisprodukten. «Was dem Wein fehlt, das sind klassische Marken, die eine Verlässlichkeit einer soliden, gehobenen Qualität bieten.
Wie ein VW Golf, oder eine Levi’s oder ein Tempotaschentuch», sagte der Winzer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der anstehenden Lese blicken die Prädikatsweingüter durchweg optimistisch entgegen.

In den Weinbergen läuft derzeit die Lese oder steht kurz bevor. Was verspricht der Herbst 2012?Christmann: «Es ist schon lange her, dass wir so perfekte Trauben hatten, die jetzt in diesem doch kühleren Wetter herangereift sind, die aber trotzdem noch genug Sonne gehabt haben. Besser hätte das Wetter die letzten vier bis sechs Wochen nicht sein können.
Wir gehen sehr glücklich und entspannt in die Lese. Es steht quasi 3:1 in der zweiten Halbzeit, vier Minuten vor Abpfiff. Die Wahrscheinlichkeit, dass das noch in die Hose geht, ist relativ gering.»

Einige Winzer befürchten empfindliche Einbußen beim Ertrag. Wie ist die Lage bei den Prädikatsweingütern?

Christmann: «Zum möglichen Minus beim Ertrag kann man noch keine verbindlichen Aussagen machen. Allerdings zeichnen sich bei den frühen Sorten wie Müller-Thurgau und Dornfelder bereits Einbußen ab. Ich habe gewisse Hoffnung, dass der Ertrag beim Riesling und bei den Burgundern nicht so gering ausfallen wird.»

Sind die eher unterdurchschnittlichen Erträge – auch schon in den vergangenen Jahren – für die Weingüter ein Problem?

Christmann: «Nein, eher nicht. Wir sind ganz glücklich mit den kleineren Ernten. Wir haben dieses Jahr fast überhaupt keine grüne Ernte machen müssen, bei der unreife Trauben aus den Reben geschnitten werden. Nicht nur, dass der zusätzliche Arbeitsgang Geld kostet. Es kommt einem auch normaler vor, wenn ein Rebstock das trägt, was er soll und man keine Früchte auf den Boden schneidet.»

Wie ist der deutsche Weinmarkt derzeit aufgestellt?

Christmann: «Wir haben – wie in anderen Märkten auch – eine Scherenentwicklung. Wir haben eine prosperierende Spitze. Es gibt genügend Leute, die für Spitzenqualität auch deutlich mehr Geld hinlegen. Und dann gibt es umgekehrt eine Tendenz hin zu einfachen Basisprodukten. Was dem Wein fehlt, das sind klassische Marken, die eine Verlässlichkeit einer soliden, gehobenen Qualität bieten. Wie ein VW Golf, oder eine Levi’s oder ein Tempotaschentuch.
Also nichts Überkandideltes, aber doch etwas, was ein bisschen teurer ist und die Gewähr liefert, dass man etwas Grundsolides bekommt.»

Woran könnte diese Entwicklung liegen?

Christmann: «Wir glauben, dass einer der Gründe dafür ist, dass unser Weinbezeichnungsrecht zu kompliziert ist. Das versteht niemand. Neue Begriffe hinzuzufügen ist immer schlecht, weil das versteht auch niemand. Und wir haben kein Geld, um neue Begriffe wirklich in den Markt zu transportieren.

Wir haben gemerkt, dass die Abstufung Gebietswein, Ortswein und Lagenwein, dass das die Menschen verstehen. Je enger die Herkunft auf dem Etikett bezeichnet wird, umso authentischer ist der Wein. Kunden sind oft bereit, für individuelle Produkte mehr Geld hinzulegen.»

Bundestag und Bundesrat befassen sich diesen Herbst mit der Reform des Weingesetzes. Was erwarten Sie sich davon?

Christmann: «Die Reform bildet die Basis dafür, dass wir für die Profilierung der kleinen Herkünfte etwas unternehmen können. Wir wollen, dass die Einzellagen nur für etwas bessere Weine genannt werden. Dass man auf dem Etikett sofort den Unterschied sieht zwischen dem kleinen Weinberg hinter der Kirche und einer Großlage, die über mehrere Gemarkungen hinweg zusammengefasst ist.»
Schaut man auf internationale Wettbewerber, dann ist der deutsche Rotwein lange in der Spitzengruppe angekommen. Ist das schon allen klar?

Christmann: «Das ist noch nicht jedem klar, aber es ist genügend Leuten klar, so dass es kein Problem ist, die Rotweine zu verkaufen.
Sie sind ein zunehmender Exportschlager. Es gibt viele Menschen weltweit, die trinken vielmehr rot als weiß. Und die möchten auch mal was Leichteres, gerade wenn es etwa zu Fisch oder hellem Fleisch serviert wird. Daher läuft deutscher Spätburgunder etwa in Schweden Benelux, Amerika und Australien sehr gut.» (dpa)

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