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Mrz 28

Bordeaux 2012

Tag: Allgemeines,Regionensigi.hiss @ 11:14

DSC05578Sigi Hiss: Millésima in Bordeaux, eine große Weinhandelsfirma am Bordelaiser Handelsplatz, inzwischen unter den Big Playern an den Quais in Bordeaux. Doch steht die Firma nur privaten Weinliebhabern zur Verfügung aber das mit sehr großem Erfolg. Die Lagerhallen sind atemberaubend und Tausende OHK’s stapeln sich bis unter die Hallendecken. Am liebsten möchte man mit einem Gabelstapler durchfahren, einfach mal aufladen und ab nach Hause damit. Fraglich, ob da eine Palette reichen würde, bei mir wohl eher nicht. Dass jede einzelne Kiste wirklich Millésima gehört, somit in deren physikalischem Besitz ist, liest sich erst mal logisch und wäre keiner weiteren Erwähnung wert. Wenn es da nicht immer wieder negative Schlagzeilen gäbe, die uns daran erinnern, dass dies nicht überall selbstverständlich zu sein scheint. Bei Millésima ist da nichts zu befürchten: Was angeboten wird, kann auch geliefert werden. Übrigens, für die deutschsprachigen Märkte sind die Weinexpertinnen Ulrike Treptow und Stephanie Niggl-Unique zuständig.

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Aber zu den 2012ern, um die geht es ja hier. Ich habe mir, vor dem Schreiben dieser Zeilen, nochmals die Notizen der 2012er-Primeur Woche aus dem Jahr 2013 durchgesehen. Der Vergleich zu den heute gemachten Notizen bringt mich zu dem was später in der Flasche ist, ein grosses Stück näher. Dass sich da Unterschiede zeigen, liegt sprichwörtlich in der Sache der Natur. Und ebenso einleuchtend ist die Tatsache der perfekten Präparation vieler Weine bei den Primeurs. Das gehört zum „Part of the Game“ und ist durchaus legitim. Auch darin sind Unterschiede zu späteren Verkostungen begründet. Alles in Allem betrachtet, decken sich die Resümees der einzelnen Regionen, doch mit Neujustierungen, die interessant sind. Und 2012 ist kein Mainstreamer, kein Schmeichler, kein Kuscheliger – nicht das breite flauschige Sofa, nein, es ist die straffe lederbezogene Sitzgarnitur. Struktur und eine rassige oft rotbeerige Frucht, gradlinig und angenehm unprätentiös. Weine zum Essen.

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Haut-Médoc/Médoc/Moulis/Listrac/Fronsac/Lalande de Pomerol/Fronsac/Canon Fromsac/Castillon Cotes de Bordeaux/Francs Côtes de Bordeaux/Bordeaux Supérieur

Aufgrund der Vielfalt der in dieser Gruppe zusammengefassten Gebiete, ist hier alles vorhanden: von saftigen wunderbar eleganten Roten bis hin zu wenigen nach dem Motto, von allem etwas Zuviel des Guten. Viele bieten mit moderatem Alkohol und relativ früh mit Spaß im Glas, eine Alternative zu Über-drüber-Jahrgängen. Elegant, schön ausbalanciert und deswegen auch länger auf der Flasche haltbar, wie man vermuten könnte. Auch wenn es sich abgedroschen liest, man findet in diesen nicht so omnipräsenten Regionen, reichlich unterbewertete Weine. Besonders gefallen haben La Lagune, La Tour Carnet, Peyrabon, Sociando-Mallet, Chasse Spleen, Fleur de Boüard, und wenn man es konzentriert mag, auch Cap de Faugeres und d’Aiguilhe.

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Pessac-Léognan & Graves

Kraftvoll und nie alkoholisch mit sehr einheitlichem hohem Niveau. Keine Anzeichen von Unreife oder grünen abweisenden Aromen. Manche präsentieren sich aktuell mit noch Holznoten obenauf, doch es war kein Wein mit dabei, bei dem ich sagen würde, das bindet sich nicht ein. Hervorgetan haben sich La Mission Haut-Brion (grandios), Carbonnieux, Haut-Bailly, Latour-Martillac, Malartic-Lagravière und unter Vorbehalt Domaine de Chevalier. Chevalier wirkte noch sehr sperrig und mit enormen Röstnoten, da wird sich erst ab 2018 die erste Trinkfreude einstellen.

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Saint-Emilion

Wie meist präsentiert sich diese Region kraftvoll und sehr vielschichtig. Ist in den heissen Jahren doch des öfteren zu viel Power in den Weinen, in 2012 findet man die passende Menge. Was ihnen gut tut, Bulldozer mag man nicht immer trinken. Sie sollten nach wenigen Jahren schon recht zugänglich sein und saftigen Trinkspaß bereiten. Canon, Canon La Gaffelière, La Mondotte, Faugeres, Grand Corbin-Despagne, Laroze, Villemaurine und Brun sind eine sehr gute Wahl. Preis-Leistung stimmt, vor allem bei den weniger bekannten Namen!

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Pomerol

Ein richtig guter Jahrgang, keine Frage und er wird sich mit Reife noch besser zeigen. Pomerols mit viel Eleganz und Finesse, die jene zufriedenstellen werden, die nicht immer nur konzentrierteste Merlots trinken wollen. Sehr ausbalanciert mit wunderbaren Tanninen, einer nervigen Säure und sehr reintönigen Aromen ausgestattet – pure Trinkfreude. Schwarze Früchte aber auch Rotbeeriges ergeben einen tollen Mix, einfach passend. Empfehlen kann ich Beau Soleil, La Cabanne, Clinet (klasse), La Croix du Casse, Fayat (vorher nie probiert – Tipp!), La Fleur de Gay (genial), Gazin, Moulinet, Petit-Village (klasse), La Pointe (elegant & leichtfüssig) und de Sales.

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Margaux

Hier waren doch ein paar Fassproben nicht mehr so, wie sie sein sollten. Schade. Grundsätzlich ist Margaux etwas strukturiert und herber als Pomerol, doch nur vereinzelt waren auch grüne unreife Noten dabei. Ansonsten ein charmanter, wenngleich auch mit Rückgrat ausgestatteter Jahrgang im Margaux. Aussergewöhnlich gut ist Palmer, wie fast in jedem Jahr doch in der Millesima Probe stach das Château deutlich heraus. Absolute Klasse! Ebenfalls richtig gut sind Rauzan-Ségla, Lascombes, Marquis d’Alesme und Giscours, der aber etwas Zeit verlangen wird.

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Pauillac & Saint-Estèphe

Die nicht ganz einfachen Regionen, da doch bei vielen eine noch recht herbe Stilistik zu schmecken war. Der eine oder andere war dann doch richtig gut wie Pontet-Canet, Pédesclaux, Montrose, Ormes de Pez. Die Weine benötigen einige Zeit, um sich dann zu öffnen und ihre echte Qualität zu zeigen. Fruchtbomben werden das nie werden aber wunderbare Essensweine die Charakter besitzen. Und herb heisst nicht unreif oder grün.

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Saint-Julien

Bei Millesima für mich zusammen mit Pomerol, die beste Region, mit einem sehr stimmigen Mix aus Balance, Eleganz, Mineralität, genügend Kraft und sehr feinsaftiger Frucht. Jeder der angestellten Weine war richtig gut, einige Châteaux werden noch merklich aufblühen und „bessere“ Jahrgänge übertreffen. Die Branaire-Ducru Flasche war leicht oxidiert in der Nase, konnte aber dann am Gaumen die Qualität rüberbringen. Léoville Poyferré ist hervorragend, ebenfalls Léoville Barton, Lagrange, Talbot (genial), Beychevelle und Gloria. Saint-Pierre bietet eine hervorragende Preis-Leistung.

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