http://www.wikio.de


Apr 08

Dorli Muhrs Spitzerberg – Des is g’scheit elegant!

Tag: Weingütersigi.hiss @ 11:06

DSC05403Sigi Hiss –  An einer ausgiebigen mittäglichen Degustation, organisiert von Gerstl Weinselektionen aus Zürich, stellte Dorli Muhr ihre Weine vor. Nicht nur aktuelle sondern auch ältere Jahrgänge, sie alle hatten vieles gemeinsam – erfreulicherweise. Gemeinsamkeiten, welche nicht erst seit heute aus der Mode gekommen sind.

.

Weine von Muhr & Niepoort werden nicht nur von Dorli Muhr und Dirk Niepoort selbst als ausgewogene, sehr elegante und fassettenreiche Weine beschrieben. Nur behaupten das mittlerweile fast alle von ihren Weinen. Die Wahrheit im Glas ist dann oft die des Mainstreams, eine andere also. Kurz gesagt, Power gleich Punkte – mehr Power mehr Punkte. Je mehr Punkte umso leichter läuft der Verkauf. Allzu menschlich, es gehört zum Geschäft und nicht jeder kann es sich erlauben, Weine außerhalb des Mainstreams zu produzieren. Man muss bei aller Liebe zum Wein auch davon leben können. Einleuchtend und nachvollziehbar. Liest sich vielleicht etwas überspitzt, ist es aber nicht wirklich.

.

Deshalb stiess ich durchaus skeptisch zu der kleinen aber fachkundigen Truppe von Verkostern. Gefasst war ich auf eine perfekte PR-Show mit allem was heutzutage halt dazugehört. Doch Dorli Muhr erzählte mit Herzblut von ihren Lagen und dem Werdegang ihres Weinguts. Auch, dass es manchmal nicht immer so lief, wie sie es sich vorstellte. Im nach hinein schmunzelt man dann doch entspannt über manch aufregenden Moment. Innerlich war ich vor allem auf ihre ersten Jahrgänge gespannt. Zuviel Holz, alkoholische Giganten oder oxidierte Marmeladentöpfe? Doch weder das Eine noch das Andere war zu schmecken. Die Weine zeigten sich durch die Bank weg in beeindruckender Form!

 

 

DSC05401 2

Sehr schön war auch die (nur logische) Weiterentwicklung der Weine erkennbar. Da hat man in kleinen und sinnvollen Schritten Qualität und vor allem die Identität der Weine immer weiter vorangetrieben. Sympathischerweise setzt sich Dorli Muhr diese Lorbeeren nicht selbst auf. Freimütig stellt sie klar, Dirk Niepoort war der Quarterback des Weinguts. 2006 und 2007 produzierte sie die Weine dann selbst, stellte aber fest, dass dies auf Dauer zeitlich nicht zu bewältigen war. Gesucht und gefunden hat sie dafür Craig Hawkins, der für Eben Sadie arbeitete und aktuell der Weinmacher auf Lammershoek ist. Beide Weingüter sind in Südafrika beheimatet. Immer mehr wich meine anfängliche Skepsis, von Minute zu Minute wuchs dagegen die Vorfreude auf ihre Weine.

 .

Spitzerberg

Der Spitzerberg ist die Heimat von Dorli Muhr, mitsamt ihren Weinen. Und er hat eine Besonderheit: Aufgewärmte pannonische Luftmassen treffen als erstes auf seine Südhänge. Die dabei entstehenden Aufwinde sind so prägend, dass sie von Segelfliegern überaus gerne genutzt werden. In der Luft also der Segelflieger und am Boden die Cru Lage. Ohne Frage prägen diese Luftmassen das Mikroklima am Spitzerberg sehr nachhaltig. Es kann mitunter sehr trocken und richtig heiß werden. Und was meint der Rebstock dazu? Er schützt sich, indem er immer wieder mal eine kurze Atempause, sprich kurzzeitigen Reifestillstand, einlegt. Vereinfacht gesagt fährt er für kurze Zeit die Versorgung auf das nur Notwendigste herunter.

Spitzerberg bedeutet aber auch fast reiner Kalkboden, oftmals mit nur einer relativ dünnen Humusschicht abgedeckt. An manchen Stellen sind auch noch kleinere Schiefereinschlüsse zu finden. Dagegen am Fuss des Spitzerbergs sind hauptsächlich abgeschwemmter Sand und auch etwas Schotter zu finden.

 .

Gemeinsamkeiten

Die Weine von Dorli Muhr & Dirk Niepoort weisen eine präsente, sehr feingliedrige Säure auf. Das ist zum Teil auf den Kalkboden zurückzuführen, kalkige (basische) Böden ergeben grundsätzlich höhere Säurewerte in den Weinen. Und diese frische, sich nie vordrängende Säure, ist eine der herausragenden Eigenschaften. Rasse und Lebendigkeit. Dem entgegen wirken, würde ein zuviel an Alkohol stehen. Tut er nicht, er steht in zweiter oder gar nur in dritter Reihe und benimmt sich wie ein Gentleman. Persönlich gefällt es mir sehr, dass es solche Weine überhaupt noch gibt. Perfekt ausbalancierte Kraft, die mit Eleganz und Finesse einhergeht. Erfreulicherweise zieht sich dieser unprätentiöse Stil bis zu den Aromen durch. Nichts Schreiendes, nichts Pompöses, sehr viel mehr präsentiert sich da eine subtile Ausgewogenheit und Dichte.

 .

Thesen vom Spitzerberg

Die Winzer vom Spitzerberg haben sich, für die heutige Zeit, sehr mutige Vorgaben an die Kellertür genagelt:

„In der Nase hell und blumig, frisch und klar. Am Gaumen eher schlank, dafür aber sehr lang. Die Tannine sollen nicht mächtig sein, sondern sehr elegant und engmaschig. Die Säure darf forsch sein, ein möglichst ausgewogener Alkoholgehalt (ideal wäre 12,5%, maximal jedoch 13,5%) wird angestrebt.“

Dieses recht einfach umso mehr konsequent gehaltene Thesenpaket könnte ein weltweites Vorbild sein. Jedenfalls für jene Regionen oder Weingüter, die für sich Finesse und Eleganz proklamieren. Auch in Zeiten der Klimaveränderung grenzen solche Weine eben nicht an ein Wunder. Dorlis & Dirks Weine lassen einen das erschmecken. Ein Tipp am Schluss, den P…..N unbedingt probieren.

 

—————————————————————————

.

Die probierten Weine

Alle Weine wurden am Vortag dekantiert und wieder zurück in die Flasche gefüllt!

Spitzerberg (Top Blaufränkisch)

Rote Erde (Merlot/Cabernet/Franc)

Sydhang (Syrah)

Carnuntum (Blaufränkisch)

P……….N (Grüner Veltliner/Riesling)

.

DSC05405

2005 Spitzerberg

Dezent mit rauchigem leicht pflaumigen Noten, erdig, leicht moosig, sehr eleganter auch nussig-tanninger Stil, komplex & feingliedrig, Hauch Wacholderbeeren, rote Kirsche.

Wie Nase ein völlig unprätentiöser doch um so mehr beeindruckender Stil, ungemein jung & sehr dichtmaschig, saftige aber gradlinige Säure, erdige herbe Aromen, grüne Waldkräuter, etwas Zedernholz, strukturiert, wird sich noch weitere 10 Jahre halten, zum Essen wird er nochmals zulegen, sehr langer herb-nussiger & stimmiger Abgang. 17.75/20 bis 2025

2006 Spitzerberg

Dezent mit herb-nussigen Noten, mit Luft im Glas kommen etwas Sauerkirsche & tabakige Noten, feingliedrig & komplexer werdend.

Dezenter Stil was Aromatik betrifft & für Muhr/Niepoort relativ kraftvoll, noch recht mit Tannin bestückt, grünherbe Aromatik die nicht unreif wirkt, langes Leben, definitiv keine Fruchtbombe, Wacholder & etwas Heidelbeeren, frische Pflaume, filigrane Säure, in seiner Art stimmig, klasse Essenswein! kein „Everybodies darling“, sehr langer erdig-nussiger Abgang. 18/20 bis 2026

2008 Spitzerberg

Recht offen, deutlicher weisser Pfeffer, Blaubeeren & etwas schwarze Kirsche, klar, rein, tief, passt einfach, Hauch Schwarze Johannisbeere, erdige rot-schwarze Frucht, Hauch rauchig.

Deutliche nie aufdringliche süßliche Frucht, sandiges geschliffenes Tannin, recht klare Säure, wunderbar elegant, sehr schöne Stilistik, sehr gut ausbalanciert, Blaubeere, Hauch Milchschokolade, Hauch Pflaumen, sehr langer wunderbar samtiger Abgang. 18/20 2014 bis 2

2009 Spitzerberg – Diese Notiz wurde versehentlich aus der Datenbank gelöscht.

2010 Spitzerberg

Sehr dezent, noch etwas unruhig mit leicht tabakigen Noten, Kirschkerne, etwas rote Beete, ätherische Komponenten, sehr klar, sehr reintönig, etwas schwarzer Pfeffer, tief, komplex, unprätentiös & superelegant & rassig.

Beste Eleganz, satte Mineralität mit sehr frischer saftiger Säure kombiniert, klasse Stil, wunderbare Art, Klasse leichtfüßig ohne dünn oder banal zu sein, dito Nase plus feingliedrige frische rote Waldbeeren, rote Kirsche, Hauch Kirschkerne, enormes Lagerpotenzial, sehr langer, sehr balancierter & ungemein mineralischer Abgang. 18.5/20 2014 bis 2030

2011 Spitzerberg

Relativ offen, recht engmaschige Frucht, wieder deutlicher Pfeffer, rote & schwarze florale Noten, tief, trotzdem sehr elegant & stimmig, für Muhr/Niepoort Stilistik eher ausladender Typus.

Satte Kraft & Mineralität, saftige leicht zitronige Säure, dito Nase plus etwas Bleistift- & Schwarzbrotnoten, noch dichtes aber reifes Tannin, Balance, stimmig, dito Nase, wunderbar süßliche nie aufdringliche Fruchtecke, relativ zugänglich mit viel Rückgrat, dekantieren, kann noch zulegen, sehr langer noch junger Abgang. 18/20 2014 bis 2028

2010 Rote Erde

Dezent, kalkig, trocken, etwas rote erdige Beeren, sehr mineralisch, tief, komplex, rassiger Stil, kühle ätherische Noten, nobler Stil.

Saftige Frucht, sehr eleganter Stil, dezentes Tannin, glasklare nervige Säure, etwas rauchig & wieder sehr mineralisch, dito Nase plus kühle kirschige Noten, etwas Sauerkirsche, reife rote Paprika, sehr langer, sehr rassiger & kraftvoller Abgang. 17.5/20 2014 bis 2025

2011 Rote Erde

Mittlere Intensität, mit etwas Rosen & roten Waldbeeren, auch floralen Aromen, tief, stimmig, Touch Eukalyptus.

Filigrane Säure, runder & weniger mineralisch als 2010er, saftig, erdige rote Beeren, dezent sandiges Tannin, saftig, charmant, elegant, komplex, auch etwas kraftvoller als 2010, saftige nicht trockene Mineralität, sehr langer, recht dichter & eleganter Abgang. 17.5/20 bis 2025

2009 Sydhang

Mittel, sehr dicht aber wunderbar elegant, feine pfeffrige & leicht süsslich-würzige Aromen, Eleganz, saftig aber nicht fett, etwas an Ziereisen Syrah erinnernd, stimmig, filigraner Stil für Syrah.

Dichtmaschiger Stil, saftig ohne oberflächlich oder gar mir spürbarem CO2 zu sein, sehr elegante Art, leicht mehliges Tannin, dito Nase plus würzige Rote Johannisbeeren & Cranberries, etwas rote Beete, mineralisch, frisch aber nicht oberflächlich, auch hier an Ziereisen erinnernd, sehr langer noch etwas trockener Abgang. Potenzial 17.75/20 bis 2026

2011 Sydhang

Offener & etwas dichter wirkend als 2010, noch jung, etwas tote Beete, floral, weniger Pfeffer, tief, komplex, Hauch reife Brombeere mit Schokolade.

Saft- & kraftvoll, mit mehr Kraft als der 2009er, mürbes mehliges & geschliffenes Tannin, aber immer noch elegant, dito Nase, sehr langer offener kraftvoller Abgang. 17/20 bis 2023

2009 Carnuntum

Dezente Nase, etwas erdig, Hauch Bitterschokolade, mürbe leicht vollreife Frucht, tief, etwas pflaumig, Heidelbeeren, elegante & stimmige Nase.

Für 2009 sehr balanciert, nichts Überreifes oder Marmeladiges – im Gegenteil, klare & präzise Frucht, saftige Mineralität, saftige & erstaunliche gradlinige Säure, nicht breit, etwas mehliges Tannin, wieder Heidelbeeren & etwas schwarze Kirschen, enormer Trinkspaß, sehr langer kraftvoller Abgang. 17.5/20 bis 2022

2010 Carnuntum

Offen, kühl, mineralisch, würzig, pfeffrig, weißer Pfeffer, sehr tief, sehr rassig & elegant wirkend, etwas rote Beeren, Waldkräuter, Touch Minze.

Edler & sehr mineralischer Unterbau, satte & dichte Art, dabei wunderbar elegant, rassig & straff, noch leicht astiges Tannin, klare & reintönige Frucht, Eleganz, kompakte Mineralität, kalkig, Struktur, dito Nase plus rote Kirschen & Schwarzbrot, Steinpilze, Potenzial, enorm langer & straffer Abgang. 18.25/20 bis 2030

2011 Carnuntum

Dezent aber sehr frisch & klar daherkommend, klassisch, etwas erdige Frucht, dazu nussig-herbe Aromen, Waldbeeren, etwas Waldboden.

Filigrane Säure, klasse, zugänglich, super PLV, dichtmaschig, recht mineralisch, sehr langer saftig-mineralischer Abgang. 17/20 bis 2024

2012 Samt & Seide Fassprobe noch ohne Schwefel

Offen, rein, klar, saftig, rote florale, rote knackige Kirsche, zugänglich.

Relativ dichtmaschiger Stil, wirkt früh zugänglich, sandiges eher dezentes Tannin, dito Nase plus etwas Hauch Rote Johannisbeere, passt! Offener doch mit Rückgrat versehener Stil, wobei sich der Wein nach Abfüllung eine Zeit lang deutlicher sperriger zeigen wird, sehr langer Abgang. 17.25/20 bis 2026

2012 Liebkind Fassprobe Blaufränkisch, spezielles Fass deswegen separater Ausbau

Noch gärige Aromen, sehr viel rote florale und rote saftige Beeren, rotes Steinobst, Rote Beete, Blaubeeren, etwas kühle Art, klar, reintönig.

Sehr kraftvoll, sattes doch reifes Tannin, diese Fassprobe ohne Schwefel, strukturiert, gute Säure, reine klare Aromatik, dichtmaschig, dito Nase, sollte der kraftvollste Wein werden von Muhr, trotzdem nie fett oder geschminkt, kann noch zulegen, sehr langer noch etwas unruhiger & kantiger Abgang. 17.5/20 2016 bis 2025

2012 Spitzerberg Fassprobe

Noch recht viel Gäraromen, erkennbar dahinter eine klare & sehr reine Frucht, absolut keine Fehlaromen,

Dichte Frucht, sehr gut balanciert, strukturierter Stil, Mix aus reifer roter Frucht & Struktur, sattes aber reifes Tannin, vereint Kraft mit Eleganz, gute weil saftige aber klare & gradlinige Säure, trockene Mineralität, sehr gute Eleganz, Balance, etwas Sauerkirsche, etwas Kalkboden, sehr langer, sehr reintöniger & jetzt schon präziser Abgang. 18/20 2015 bis 2028

2011 P…..N 90% Grüner Veltliner & 10% Riesling

Offene und sehr komplexe Nase, sehr viel kalter Rauch, Kalkstaub, etwas Zündholz, kühle sehr elegante Aromen, dichtmaschige aber sehr elegante Frucht, durchaus etwas an Meursault erinnernd, komplex, stimmig, Feuerstein, dezente Birnenhaut.

Nur 12% & doch mit sehr viel Ausdruck, saftige eher dezente Säure, noch etwas phenolisch doch sehr stimmig, sehr gut strukturiert, Eleganz, Balance, vereint Saftigkeit mit Rückgrat und Mineralität, dito Nase plus erdige leicht zitronige Aromen, frische Mirabelle, Feuerstein, sehr langer wunderbar eleganter Abgang. 17.75/20 bis 2024

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Print
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google
  • Blogosphere News
  • email
  • MSNReporter
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Add to favorites
  • blogmarks
  • LinkedIn
  • Live
  • PDF

Dein Kommentar