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Sep 19

Kirschessigfliege belastet Stimmung der Winzer zur Weinlese

Tag: Allgemeines,Oenologiesigi.hiss @ 07:36

Mainz – Die Weinlese in Deutschland ist im vollen Gang. Doch ein neuer Schädling ärgert die Winzer: Die kleine Fliege asiatischer Herkunft könnte zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Dass sie sich in diesem Jahr so massiv verbreitet, überrascht auch Forscher.

Der fliegende Störenfried ist nur wenige Millimeter groß, doch er treibt den deutschen Winzern in diesem Jahr Sorgenfalten auf die Stirn.

Die Kirschessigfliege stammt ursprünglich aus Asien, macht sich aber seit einigen Jahren in Europa und nun auch  in Deutschland in rasantem Tempo breit. Das kleine Insekt befällt mit Vorliebe rotes Beerenobst – und damit auch Rotweintrauben. Im schlimmsten Fall droht in einigen Weinbergen die diesjährige Lese auszufallen.

Die Winzer sind alarmiert. «Wenn diese Kirschessigfliege nicht wäre, hätten wir wirklich einen brillanten Jahrgang», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Wein-Institut in Mainz. So gebe es nun einen echten «Wermutstropfen»: «Sie ist in diesem Jahr schon ein Problem geworden», sagt Büscher über die Fliegenart.

Eigentlich war alles für einen guten Jahrgang bereitet. Das Wetter hat in diesem Jahr bis auf den nassen August mitgespielt, die Winzer rechnen mit guten Qualitäten bei ordentlichen Mengen. Doch zumindest punktuell sorgen die kleinen Fliegen nun für Ärger.

«Manche Rotweinsorten mussten früher gelesen werden als es die Witterung eigentlich noch zulassen würde», sagt Büscher. Denn gerade hebe der Sommer noch einmal zu einem Zwischenhoch auf – was gut für die Traubenreifung und die spätere Weinqualität ist.

Der Schädling hat Büscher zufolge inzwischen alle deutschen Anbaugebiete erreicht. Befällt er einen Weinberg, müsse es schnell gehen mit der Lese, um größere Schäden zu vermeiden.

«Es hat keiner damit gerechnet, dass sie sich in diesem Jahr so massiv verbreitet», sagt Professorin Annette Reineke von der Hochschule Geisenheim. Nach den Beobachtungen bisher bevorzuge die Fliege rote Rebsorten. Ob sie auch auf spätreifende weiße Sorten wie Müller-Thurgau oder Riesling geht, bleibe abzuwarten. «Wir sind im Moment relativ entspannt beim Weißwein», sagt auch Friedrich Louis vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße.

Timo Dienhart, Inhaber des Weingutes zur Römerkelter in Maring-Noviand an der Mosel, hat in diesem Jahr zum ersten Mal mit der Kirschessigfliege zu kämpfen. «Ein großes Übel ist vor allem da, wo Dornhecken sind», berichtet er. Der Befall könne bis zu einem Totalverlust eines Weinbergs in diesem Jahr führen. «Das ist bitter», meint der Winzer und fügt hinzu: «Wir sind im Moment etwas übertölpelt.» Etwa 13 Hektar Anbaufläche hat sein Weingut, etwa 20 Prozent seien mit roten Rebsorten bepflanzt. Auch in Baden-Württemberg klagen Weinbauern über den neuen Schädling.

Ein echtes Gegenmittel fehlt bislang, auch Pestizide helfen nur bedingt. Verschiedene Forschungsanstalten arbeiten daran. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass freihängende Trauben in der Sonne von der Kirschessigfliege eher gemieden werden, berichtet Louis vom DLR Rheinpfalz. «Die mag es lieber etwas kühler und etwas dunkler.» Die Winzer könnten also die Blätter rund um die Traube entfernen und ihre Weinberge gut pflegen. Betroffene Trauben könnten vor der Lese aussortiert werden. Auch mit Lockfallen wird experimentiert.

Trotz aller Bemühungen und Forschung: Die Kirschessigfliege wird, bildlich gesprochen, keine Eintagsfliege bleiben. «Wir werden mit dem Tier in Zukunft leben müssen. Das hat sich hier etabliert», sagt Louis vom DLR Rheinpfalz. Winzer und Experten setzen nun auf einen knackigen Winter mit Temperaturen um zehn Grad Minus. «Wir hoffen, dass es jetzt mal wieder einen richtigen Winter gibt, der die Population dezimiert», sagt Büscher vom Deutschen Weininstitut. Denn der vergangene Winter war warm – ideal für die Kirschessigfliege.

Die Kirschessigfliege – Schrecken der Winzer und Obstbauern

Die aus Asien stammende Kirschessigfliege (lat. Drosophila suzukii) wurde 2011 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen. Mit einer Art Säge ritzen die weiblichen Tiere Löcher in gesunde, reifende Früchte und legen Eier ab.

Die Larven fressen dann die Früchte innerhalb kurzer Zeit kaputt. Nach Angaben des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, legt ein Weibchen im Schnitt rund 400 Eier auf einmal ab.

Pro Jahr können zahlreiche Generationen gebildet werden, die Insekten können mehrere Monate alt werden. Sie befallen überwiegend weichschalige und rote Obstorten. Dabei könnten Geruch oder Farbe eine Rolle spielen. (dpa)

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