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Jun 25

»Mia san Mia« von Herbert Zillinger

Tag: Weingütersigi.hiss @ 08:52

radikalSigi Hiss – Der 2013er »Radikal« vom Weingut Zillinger/Weinviertel lag noch gut zwei Monate, nachdem ihn der Postmann ablieferte, im Klimaschrank. Freundlicherweise machte mich Herbert Zillinger auf die erst kürzlich erfolgte Abfüllung aufmerksam. Abfüllschock – damit war vor der Verkostung erstmal eine 2-monatige Zeit in der Hängematte angesagt. Jetzt war’s vorbei mit dem rumhängen.

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Der »Radikal« kommt aus der sogenannten Z-Linie von Zillinger, ein GV (Grüner Veltliner), der nicht ins gängige GV-Korsett passt. Das fängt gleich mit der Optik der Flasche an. Ein Schraubverschluss in einer auffälligen aber sympathischen Farbe, ein Statement: Schaut her, niemals nie werd ich korkig schmecken. Wie ein Puzzleteil fügt sich auch das Etikett in das Gesamtbild der Flasche ein. Auffallend ja, doch in sich stimmig. Die Zacken außen signalisieren dem Trinker »Nichtmainstream«. Riecht und schmeckt man die Zacken auch im Wein?


Ja, denn was einem da in die Nase steigt, ist außergewöhnlich. Erfreulicherweise wirkt es nicht aufgesetzt, mehr wie ein bayrisches »Mia san mia«. In sich ruhend. Nebenbei bemerkt, dieses »Mia san Mia« ist österreichischen und nicht bayrischen Ursprungs: Es war der Schlachtruf der kaiserlich & königlichen Armee Österreich-Ungarns. Zweimal um die Ecke gedacht, schließt sich beim »Radikal« der Kreis wieder.

Rebberg

Um einen eigenen, ganz persönlichen GV zu schaffen, durchbricht Herbert Zillinger schon im Rebberg das Gängige:

»Für den »RADIKAL« werden die besten Trauben aus unseren ältesten GV-Anlagen geerntet. Im Weingarten geht es uns darum, den Rebstock weg vom vegetativen, hin zum generativen Wachstum zu bringen. So wachsen die Reben ausgeglichener, wir haben weniger Assimilationsleistung, aber die Beeren besitzen mehr Geschmack, Extrakt und Säure«.

Den Erntetermin versucht Herbert Zillinger relativ spät zu setzen. Weiter wird dann mit sehr langen Maischestandzeiten gearbeitet. Und bei nur 13% Alkohol belegt der 2013er die Aussagen eindrücklich: Extraktreich zugleich elegant beschreibt den RADIKAL in wenigen Worten sehr passend.

Keller

Bewusst geht Herbert Zillinger im Keller den oxidativen Weg des Ausbaus. Damit steht er dem heutigen, sehr fruchtbetonten (reduktiven) Trend entgegen. In der Praxis heißt das, es findet ein ausgiebiger Luftkontakt von Most und Wein während der Vinifikation statt. Der oxidative Einfluss auf den späteren Wein wird somit vorweggenommen. Und das bringt einen gewichtigen Vorteil gegenüber einer Oxidation in der Flasche mit sich: Sie kann kontrolliert und gesteuert werden, damit bleibt Frische und Vitalität erhalten. Lagerpotenzial? Im Allgemeinen halten diese Weine in der Flasche mehrheitlich länger denn ihre fruchtbetont ausgebauten Kollegen. Der RADIKAL auf jeden Fall!

Nach der Spontangärung bleibt der Wein über ein Jahr auf der Vollhefe, ohne bewegt zu werden. Auf Nachfrage bestätigt mir Herbert Zillinger nicht ein einziges Mal die Hefe (Batonnage) aufgerührt zu haben. Ungefiltert und ungeschönt wird dann auf Schrauber abgefüllt. Ich weiß ich wiederhole mich: Aber den Korken als Verschluss braucht es definitiv nicht mehr.

radikal-002RADIKAL

Anfangs eine dezente dann mit Luft mittlere Intensität der Aromen, trotzdem oder deswegen eine enorm dichtmaschige Aromatik, mit grünen frischen Kräutern wie Minze und Kerbel, Gewürze wie Muskat und Pfefferkörner, dazu im Hintergrund eine exotische Frucht – Traminertouch, Rosen, tief, sehr komplex.

Wunderbare Balance und ein sehr feinmaschiger Stil, straffe saftige und sehr klare Art, dabei mit einem satten mineralischen Unterbau, kompakte doch geschliffene Säure, die Mineralität sollte sich mit weiterer Lagerung noch mehr in den Vordergrund schieben, die Aromen wie die der Nase plus sehr dezente Note nach Traubenschale, etwas Feinhefiges und herber Quittenhaut, trotz einer gewissen Cremigkeit ist er strukturiert sprich mit Rückgrat, in sich ruhender zugleich sehr eleganter und vielschichtiger GV – Klasse, sehr langer, dichter und komplexer Abgang. 18,5/20, 2016-2028

2 Std. Dekantieren, mindestens! Der »2013er RADIKAL« war am 2. Tag der Verkostung perfekt.

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