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Jul 27

Hirschs Erste Lagen – pur & kristallklar

Tag: Allgemeinessigi.hiss @ 11:53

Sumoringer fanden sich des Öfteren unter den Niederösterreichischen Grünen Veltlinern und Rieslingen. Man bekommt sie zwar immer noch eingeschenkt, doch immer seltener. Schon gar nicht, stammen sie von den »ÖTW’lern« initiierten Ersten Lagen. Die »ÖTW’ler«, das sind die 33 »Österreichischen Traditionsweingüter« aus dem Kremstal, Kaptal, Traisental und der Wagram. Eine Gruppe die mastige botrytischwangere Grüne Veltliner und Rieslinge des Landes verwiesen hat. Was die ÖTW da in den letzten Jahren an schmeckbaren Veränderungen in Flaschen abgefüllt hat, ist bemerkenswert.

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Den Boden im Wein schmecken oder den Fingerprint »Terroir« zu finden – es schreiben und reden ja fast alle darüber. Die »Österreichischen Traditionsweingüter« arbeiten daran. Sie meinen es ernst, die Einführung der eigenen, ziemlich rigorosen Lagen-Klassifikation, zeigt es. Mit der Ersten Lage ist der Anfang gemacht. Einer dieser 33 Betriebe ist das Weingut von Johannes & Sandra Hirsch. Nordöstlich von Krems an der Donau und nicht weit weg vom Schloss Grafenegg liegt ihr Weingut.

 

Stilsicher Hirschs Weinstil auf den Punkt zu bringen heisst: Filigranität und nicht Plumpheit. Trinkigkeit und nicht satt machend. Frische und Langlebigkeit. Zudem legen Johannes & Sandra Hirsch bei ihren Weinen Wert auf Langlebigkeit. Eile ist also nicht nötig, erst nach einigen Jahren, blicken die ersten Reifenoten um die Ecke. Der Ungeduldige gibt den Erste Lage Hirschen viel Zeit und Luft in der Karaffe. Apropos Zeit. Die letzten Schlucke der hier probierten Flaschen, wurden nach 7 Tagen getrunken. Sie standen offen bei 12°C im Klimaschrank. Nicht mal ansatzweise schielten Müdigkeit oder Oxidation aus dem Glas.

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Eigensinnige Hirsche Ein Grund dieser Lebendigkeit, auch nach vielen Tagen, ist der Schraubverschluss. Johannes Hirsch: »Ja sicher, es war eine sehr eigensinnige Entscheidung, als wir unser gesamtes Sortiment auf Schraubverschluss umstellten – aber die Entwicklung hat uns Recht gegeben, heute wird der Schraubverschluss von Sommeliers und Weinkennern gleichermaßen gelobt.« Das Credo, nicht dicke, sondern trinkige Weine produzieren zu wollen, ist ein weiterer Grund für Frische und Spass im Glas. Dazu gehört die feinziselierte Säure ebenso, wie das Weglassen von Botox, in der Weinindustrie Restsüsse genannt. Eigensinnig und konsequent war auch der 1999 getroffene Entschluss, nur noch auf Grünen Veltliner und Riesling zu setzen. Mutig und zielstrebig. Es war die richtige Entscheidung.

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Alle Fotos von Fotos: Peter Podpera, www.podpera.com

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Degustation

(Weiter unten Infos zu den Lagen und Jahrgängen.)

2011 Grüner Veltliner Kammerner Lamm Reserve Erste Lage

Beim öffnen noch leicht reduktiv, grüne Limette, Zitrone, dezente brotige Aromen, nasser Stein, etwas Birnenwürze und Quittenhaut, tief, komplex und auch recht dicht, mit Luft deutlich offener, feine Wachsnoten, etwas herber würze, grüne Stangenbohnen, weniger Limette und Zitrus.

Kraftvoller zugleich eleganter Stil, ungemein frische Art wenn auch die konzentrierte Frucht nicht fehlt, Hauch Botrytis die am 2. Tag weniger schmeckbar ist, mittlerer Gaumen fast salzig und recht knackig, Hauch CO2 – auch das ist an Tag 2 viel weniger präsent, dezente feine schmelzige Note, sehr langer kraftvoller und dichter Abgang. 17,5/20 bis 2027

2012 Grüner Veltliner Kammerner Lamm Reserve Erste Lage

Nase wirkt deutlich kühler als die 2011er, kühle Birne, ätherisch und leicht Feuerstein, Zitruszeste, nasser Schiefer, rassig und unmissverständlich gradlinig und präzise.

Abbild der Nase und wieder merklich kühler, null Botrytis, straff und trotz der Kraft schlank und gradlinig, aber auch wieder erhöhtes CO2, trotzdem Grip und minimal phenolisch, wird sich länger halten als 2011, feine Säure und etwas feine hefige Bitterkeit ganz hinten versteckt, mit Luft eine reife gelbe Frucht und etwas Feinhefiges, gewinnt signifikant am 2. Tag, sehr langer, straffer und knackiger Abgang. 18,5/20 bis 2030

2013 Riesling Zöbinger Gaisberg Reserve Erste Lage

Deutlich offene und mit viel nassem Schiefer und wachsigen Noten sich zeigende Nase, kühl und griffig, feinherbe Noten, Steinwürze, etwas grüne Gartenkräuter wie Minze und Kerbel, frisch und glasklar,

Gaumen mit Hauch reifer gelber Frucht, leicht cremig mit guter Säure und Grip dagegen, hat Struktur, feinherb, etwas grüne Frucht, knackige Kiwi, Limette, hat Charakter, erdige steinige Noten, kalkig, straff und stramm, gewinnt mit Luft, sehr eigenständig, enorm langer Abgang. 18.5/20 bis 2032

2013 Grüner Veltliner Kammerner Grub Reserve Erste Lage

Komplett andere Nase, verhalten und mit leicht kühlen wachsigen Noten, Hauch Muskat und deutlich mit weisspfeffriger Würze die mit Luft zunimmt, kühle Note die an Minze erinnert, etwas frische Mandeln, kompakt und sehr eigenständig.

Kraftvoll und aber balanciert, dicht aber nicht fett, mit Grip und feinherben Noten, trotz der 13,5% mit Balance und Charakter, richtiggehend weisser Pfeffer am Gaumen, trockene Würzigkeit, und eine phenolische Struktur und die ist das Rückgrat, klasse gemacht, moderates CO2, am Tag 2 steht er wie ein Fels – balancierter und feingliedriger, enorm langer, frischer zugleich kraftvoller weisspfeffriger Abgang. 18.25/20 bis 2028

2014 Riesling Zöbinger Gaisberg Erste Lage

Anfangs deutlich reduktiv und mit sehr kühler herber Stilistik, leicht wachsig und mit Gemüse, Hauch Fenchel und Artischocke, rassig und brutal gradlinig, unreife Kiwi, verschlossen halt, aus der Karaffe Kamille, knackiger Pfirsich, straff ohne Ende.

Enormer kalkiger Beschlag der Zähne, sehr erdig und sehr viel Struktur, phenolischer Grip, brutal gradlinig aber ich mag das ungemein, null Schnörkel, grosse Klasse, enormes Lagerpotenzial, da sind aber nullkommanull Früchte nur Stein, Kalk, Phenolik und Struktur, so was von pur und »Was interessiert mich ob es euch schmeckt, ich bin ich«, am 3. Tag leicht charmanter aber nur leicht, wie mit dem Laser geschnitten, sehr fordernde Säure, alles andere als einfach aber Gross. 19/20 2020 bis 2037

2014 Riesling Zöbinger Heiligenstein Erste Lage

Dezent mit etwas nassem Schiefer und Traubenschale, mineralisch, kalkig, herb und glasklar, öffnet sich mit Luft, mineralische an nasse Stein erinnernder Duft, herrlich klar und kühl,

Dito, präzise mit grandioser rassiger Säure, enormer Grip und feinherbe leicht gemüsige Art, nichts für Liebhaber cremiger und sämiger Weissweine, knackige Zitrone, Hauch Granny und Apfelkerne, schlank und trinkig, rassig und tänzelnd, gewinnt deutlich am 3. Tag, unbedingt in die Karaffe – geschliffener und tiefer, dezente brotige Noten, Pfirsichsteine, leicht nussig, sehr langer, enorm frischer und griffiger Abgang. 18.75/20 2019 bis 2035

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Infos zu den Ersten Lagen

Quelle: Weingut Hirsch

Zöbingen Heiligenstein

Nach Süden und Südwesten ausgerichtete terrassierte Hanglage mit einem besonderen geologischen Aufbau, der sich durch die Geschicke der Erdgeschichte gerade hier erhalten hat. Die bis an die Oberfläche tretenden Festgesteine bestehen aus feldspatreichen, rotbraunen Sandsteinen und groben Konglomeraten, seltener sind Schluffsteine anzutreffen. Die Ablagerung der etwa 250 bis 280 Millionen Jahre alten Sedimente erfolgte in Seen, Tümpeln und periodisch aktiven Flussläufen unter Wüstenklima. In dem Gesteinspaket lassen sich Reste versteinerter Pflanzen und Gerölle vulkanischer Quarzporphyre finden. Nur stellenweise und in den wenigen leichten Talkerben ist etwas Löss erhalten.

Zöbingen Gaisberg

Nach Südwesten ausgerichtete Lage am südlichen Ausläufer des Manhartsberges. Den Boden bildet vorwiegend kalkfreie Silikatbraunerde von sandiger, etwas schluffiger Konsistenz mit deutlichem Grus- und Steinanteil. Dieser Boden entsteht aus den verwitterten Glimmerschiefern im Untergrund, die lokal von Amphibolitlinsen durchbrochen werden und dann, neben möglichen Lössresten, auch für etwas Kalkgehalt im Boden sorgen können.

Kammern Lamm

Südöstlicher Hangfuss des Heiligenstein und eine der berühmtesten Lagen des Weinbaugebietes. Der Boden ist kalkhaltig und besteht aus lehmig-sandigem Schluff, der sich auf Löss gebildet hat. In den höheren Partien zum Heiligenstein hinauf treten, die unter dem Löss liegenden, kalkarmen bis kalkfreien Schluff und Sandsteine der Zöbing-Formation zu Tage.

Kammern Grub

Kessellage zwischen Heiligenstein und Gaisberg, windgeschützt von drei Seiten, geöffnet nach Südwesten. Der kalkhaltige Boden ist aus Löss entstanden und von der Konsistenz lehmig sandiger Schluff, lokal mit eingelagerten Kies- und Grusschnüren. Unter dem Löss liegt Zöbing-Formation mit Schluff- und Sandsteinen.

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Infos zu den Jahrgängen

Quelle: ÖWM

2011 Für die niederösterreichische Leitsorte Grüner Veltliner kam es in der leichteren Kategorie darauf an, eine gute Balance zwischen Alkohol- und Säuregehalt sowie eine gewisse Frische und Rasse zu bewahren. In einzelnen Teilgebieten war es schwierig, die für bestimmte DAC-Herkünfte vorgesehenen Alkoholobergrenzen nicht zu überschreiten. Für Premiumweine der Reservekategorie und lagerfähige Lagenweine war der Jahrgang hingegen prädestiniert, bauen diese ja weniger auf jugendliche Lebendigkeit als auf Körperreichtum und Ausdauer.

Für unsere Rieslinge gilt sogar – über alle Gebietsgrenzen hinweg – ein Pauschallob. Sie präsentieren sich derart fruchtbrillant und klar, wie es in diesem Frühstadium äußerst selten ist.

2012 Der Alkoholgehalt liegt vergleichbar hoch wie im Vorjahr, die Säurewerte sind – wie wohl ebenfalls eher am unteren Limit – doch geringfügig höher. Dies kommt vor allem den leichteren Weißweinen, wie so manchen Grünen Veltlinern in Niederösterreich.

Speziell dem Grünen Veltliner können für alle Gewichtsklassen sehr gute bis ausgezeichnete Ergebnisse bereits vorhergesagt werden; etwas zurückhaltend und verschlossen geben sich im Spätwinter hingegen noch so manche Rieslinge, doch ist aufgrund der guten Voraussetzungen auch für sie eine sehr positive Entwicklung zu erwarten.

2013 Verrieselungsschäden führten beim Grünen Veltliner zur Ausbildung winziger, kernloser Beeren – den sogenannten Jungfernbeeren – die aber ein Plus an Süße brachten. Das Resultat sind ungemein dichte und fruchttiefe Veltliner, mit großer Aromenvielfalt und perfekt abgestimmter Säurestruktur. Dabei fällt auf, dass bereits die leichteren Varianten der österreichischen Leitsorte schon sehr pointiert und elegant ausfallen. Auch das Feld der hochgradigen Premiumweine ist mit zahlreichen „grünen Riesen“ bestückt, deren Lagerfähigkeit aufgrund der wunderbaren Harmonie der Inhaltsstoffe als extrem hoch einzuschätzen ist.

Bei den Rieslingen war die Lesezeit eine gewisse Nervenprobe für die Winzer, da sie zum einen erst relativ spät die erforderliche Zuckerreife erlangten und zum anderen ab Ende Oktober das Abfallen von Beeren zum ertragsmindernden Problem wurde. Nach der Vinifizierung präsentieren sich die 2013er Rieslinge sehr fordernd und mit überbordender Steinobstfrucht. Die hohen Säurewerte machten in manchen Gebieten zwar Säurekorrekturen notwendig, garantieren jedoch eine entsprechende Haltbarkeit.

2014 Wetterkapriolen galten für das größte österreichische Weinbaugebiet Niederösterreich vollinhaltlich, da und dort kamen noch punktuelle Hagelschläge hinzu. Dennoch haben sich bei penibler Selektion etwa für die Haus-und-Hof-Sorte Grüner Veltliner sehr fruchtbetonte, schlanke bis mittelgewichtige Weine mit frischer, aber nie aggressiver Säurestruktur ergeben; höhere Mostgewichte waren allerdings nur vereinzelt möglich. Auch für die Rieslinge zahlte  sich längeres Zuwarten bei der Ernte aus und wurde mit angenehm reifen Exemplaren, die zum Teil von exotischen Fruchtkomponenten à la Ananas und Mango geprägt sind, belohnt. Hier sind die Säurewerte zwar schmeckbar höher, fügen sich aber gut in das Gesamtbild ein.

 

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