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Mrz 25

BDX Tagebuch 2010

Tag: sigi.hiss @ 19:10

Sigi Hiss – Wie im Jahr 2009 so auch wieder im Jahr 2010. Der im Vorfeld hoch gepriesene Jahrgang 2009 im Bordelais wird verkostet. Von Freitag den 26. März an bis einschliesslich Feitag den 2. April bin ich unterwegs, um die unzähligen Fassproben zu verkosten. Da ich mich bei der Gruppe der „Blinden“ (Blindprobe – man weiss die Region) angemeldet habe, bekomme ich erst nach der Probe die Liste der verkosteten Weine.

Ich werde versuchen jeden Tag eine erste Übersicht der jeweils verkosteten Region online zu stellen. Auch werde ich wieder das Glück haben, die Sauternes innert dieser Woche 2 mal verkosten zu können. Einmal im Rahmen der offiziellen Verkostung der Union de Grands Crus de Bordeaux (UGCB) & ein weiteres Mal zusammen mit Rene Gabriel auf Château Climens. Mit ihm bin ich auch auf Château Latour zu Gast.

Los geht es gleich am Freitag auf Château Latour & Château Lafaurie Peyraguey. Mit dem Direktor von Lafaurie Peyraguey, Eric Larramona, wird es ein Interview & eine Verkostung auch älterer Jahrgänge geben.

Freitag, 26. März

Was passiert wenn zwei nicht richtig miteinnander kommunizieren? Ein dritter schaut in die Röhre. Dieser dritte war gestern ich, als ich um 14:30 vor der Einfahrt von Château Latour stand. Der sehr nette Pförtner teilte mir mit, die Probe zusammen mit Renè Gabriel fand gestern statt. Der eine meinte den 25. März & der andere den 26. März – so stand die Truppe von Renè vorgestern schon vor den Toren Latours. Sehr schade aber nicht zu ändern, denn auf Latour bekommt man nicht einfach so einen neuen Termin. Ein paar Personen schon, mit dem richtigen Namen 😉 halt.

Als kleine Entschädigung habe ich zusammen mit 2 Freunden aus der Schweiz, in einem kleinen Restaurant in Bommes einen sehr guten1948er Château Caplane getrunken. Danach kann man bzw. sollte man suchen, die Preise dürften sehr moderat sein.

Die Weine von Château Lafaurie Peyraguey kommen am Samstag, also morgen dran. Vorher gehts noch ins Pauillac, u.a. auf Pontet Canet.

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Samstag, 27. März

Es stürmt sehr heftig auf Château Lafaurie Peyraguey, gleich gibt es einen Kaffee & dann gehts ins Pauillac. Danach wieder zurück & zusammen mit Eric Larramona den neuen Jahrgang verkosten & später bringt Jürg Richter ein paar alte Lafaurie’s zum Abendessen mit. Der Sturm wird immer heftiger & die paar Schritte zum Auto lassen einen eine Dusche nehmen.

Alfred Tesseron

Um 10:00 Uhr der Erste auf Château Pontet Canet, da schauten die zwei Empfangsdamen doch leicht erstaunt. Der Besitzer, Herr Tesseron spricht von einem der besten Jahrgänge, die er je ernten konnte. Anfänglich noch etwas zögerlich, ob er den 2009 zusammen mit dem 2005 auf eine Stufe stellen soll, ist er inzwischen davon vollkommen überzeugt. Im Frühling sorgte aufkommender Mehltau für etwas Sorgen, was man letztendlich aber gut in den Griff bekam. Da Pontet Canet seit 2004 biodynamisch bewirtschaftet (Ausnahme 2007) hatte man schon etwas Bauchweh, da man noch nicht über die große Erfahrung verfügt. Jedes Jahr, ja jeder Tag bringt immer neue Erfahrungen & man lernt ständig dazu, meinte er lächelnd. Herr Tesseron ist inzwischen absolut von der biodynamischen Philosophie überzeugt & es wird auf Pontet Canet der Weg der Zukunft sein.

Der Sommer war einfach nur ideal zu nennen, so Herr Tesseron. Die Ernte fand unter besten sonnigen Bedingungen statt. Angefangen am 28. September mit dem Merlot & weitergeführt mit dem Cabernet Sauvignon & dem Petit Verdot am 7. Oktober bis zum Ende der Lese am 15. Oktober.

Das Pferd mit dem Einerpflug angehängt, welches die Rebzeilen auf sanften Pfoten durchpflügt, war erstmal nur ein Versuch auf Pontet Canet. Inzwischen ist man davon immer mehr überzeugt. Im Jahr 2008 waren es noch 4 ha, im Jahr 2009 schon 9 ha die mit dem Pferd bearbeitet wurden. Man wird jedes Jahr ein paar Hektar mehr dazunehmen, um dann irgendwann die komplette Fläche zu bearbeiten. Auch der Maschinenpark wird permanent den eigenen Bedürfnissen & Wünschen angepasst.

Notiz (endgültige Cuvée): Offen, schwarze Früchte, dicht zugleich saftig wirkend, Holunderbeeren, herbe Kräuter, Hauch rote reife Paprika, sehr guter Barriqueeinsatz, tief, komplex.

Dichte zugleich elegante Struktur, noch etwas frische Säure, elegant, sehr gute Balance, rauchige Mineralität, Aromatik dito Nase – nie fett oder marmeladig, perfekte herbe Tannine, Barrique gefühlvoll, sehr gutes Potenzial, sollte sich früh zugänglich zeigen aber auch hervorragend reifen, sehr langer, finessiger & dichter Abgang. 18/20, 2013-2030

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Château Lafaurie-Peyraguey

Eric Larramona - Direktor auf Château Lafaurie-Peyraguey

Mit Eric Larramona konnte ich ein Interview führen. Seit 2006 ist er als Direktor für Lafaurie-Peyraguey verantwortlich.

Herr Larramona, was waren die Eckpunkte des 2009er Jahrgangs auf Lafaurie-Peyraguey?

Am 2. Oktober begannen wir mit dem ersten & ende Oktober beendeten wir den letzten Lesedurchgang. Ganz allgemein waren die Bedingungen im August & Oktober trocken & sonnig. Zum Ende hin stellten uns die sehr hohen Temperaturen vor eine Herausforderung. Die Zuckerwerte schossen förmlich nach oben & wir bevorzugen ja auf Lafaurie-Peyraguey einen eher ausbalancierten als einen zu monumentalen Stil. Um dem zu begegnen, änderten wir die Leseart um die Balance im späteren Wein zu gewährleisten. 4 Durchgänge waren nötig, wobei nur die ersten 3 in der endgültigen Cuvee enthalten sind. Zusätzlich gaben wir beim Pressen immer auch etwas Sauvignon Blanc dazu, um eben den Zuckergehalt hier schon regulieren zu können, da der Sauvignon Blanc grundsätzlich weniger Zucker aufbaut als der Semillion.

Wie würden sie den 2009er in kurzen Worten charakterisieren? Eher ein Bodybuilder oder eine Ballerina oder eine Symbiose aus beidem?

Lafaurie-Peyraguey ist von der Süße her dieses Jahr etwas kraftvoller & kompakter. Um trotzdem unserem Stil treu zu bleiben, haben wir die oben erwähnten Maßnahmen getroffen, die sich im nach hinein als richtig erwiesen haben. Ich würde wirklich von einer Symbiose aus einem Zehnkämpfer & einer Ballerina sprechen. Es spiegelt auch den Jahrgang hervorragend wieder, der einfach eine dichte & kompakte Süße als Charakteristikum hat.

Ein Langstreckenläufer oder ein Mittelstreckler, wenn sie sich die Langlebigkeit anschauen?

2009 besitzt eindeutig ein enorm großes Reifepotenzial.

Wie wird sich der Preis für den 2009er entwickeln?

Die Preise werden wahrscheinlich leicht nach oben gehen, so wie wir auf Lafaurie-Peyraguey im Jahr zuvor die Preise leicht gesenkt hatten, obwohl die Menge unter dem Durchschnitt auf Lafaurie-Peyraguey lag.

Sind Veränderungen auf Lafaurie-Peyraguey in nächster Zukunft angedacht, wie Neuanpflanzungen, Erwerb neuer Rebflächen oder eine abweichen vom bisherigen Stil?

Neuanpflanzungen oder der Erwerb von weiteren Rebflächen sind nicht geplant. Grundsätzlich werden wir den aktuellen Stil beibehalten, natürlich mmer mit der Jahrgangscharakteristik verbunden. Erstmals haben wir auch in unseren Rebanlagen jede 2. Rebzeile mit bestimmten Gräsern bepflanzt. Das System des Abziehens der Barriques im Keller wurde verfeinert bzw. wird mehr auf jedes einzelne Barrique angepasst. Das sind alle Änderungen im letzten Jahr. Natürlich wird permanent an Verbesserungen im Weinberg & im Keller der Qualität gearbeitet.

Wie sehen Sie die Zukunft des Sauternes, ganz allgemein betrachtet?

Die Zukunft wird nicht leicht sein, da es momentan nicht en vogue ist Sauternes öfters als nur zu einem besonderen Anlass zu trinken. Wir müssen den Weinliebhabern einfach klar machen, dass man Sauternes jeden Tag & zu fast allen Gelegenheiten trinken kann. Ein Sauternes fügt sich auch zu sehr vielen anderen Gerichten als nur Foi Gras, hervorragend in ein Menü ein.

Wo sehen sie die größten Herausforderungen für Lafaurie-Peyraguey & für das Sauternes?

Ganz klar müssen wir die Reputation & das Image des Sauternes in aller Welt verbessern & hervorheben. Die allgemeine Qualität im Gebiet des Sauternes & Barsac hat sich in den letzten 10-20 Jahren deutlich gesteigert. Dieses sehr hohe Qualitätslevel müssen wir nach außen kommunizieren.

Wie sieht die Rebsortenentwicklung im Sauternes Gebiet aus?

Die Muskatellersorte verschwindet immer mehr, bei Semillion & Sauvignon Blanc hat sich & wird sich wohl sehr wenig ändern.

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Notiz (endgültige Cuvée): Offen, wirkt balanciert zugleich kraftvoll, gelbe vollreife Steinfrucht, Barrique sehr gefühlvoll, getrocknete Aprikosen & feine Vanille, Fassprobe noch etwas mit Schwefel.

Dicht & leicht mollig, frische Säure, kraftvolle Struktur, konzentrierte Süße mit kompakter Säure dagegen, Kraft & Finesse zugleich, guter Barrique Einsatz, cremige Art, Vanille, helles Karamell, getrocknete Aprikosen, feinherbe Orangennote, etwas Quittensaft, Panna cotta, wirkt enorm tief & komplex, bestes Potenzial, kann noch zulegen, sehr langer& fester & cremiger Abgang. 18.75/20, 2014-2045

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28. März

Nachtrag von gestern Abend: eine kleine 1924er Sauternes Degustation. Fünf Weine sollten blind erkannt werden, wobei man weder das Jahr noch sonst irgendetwas wusste. Schnell getroffen wurden Wein 3, Château La Cork de brachiale & Château de La Fontaine Blanc (Wasserglas). Klar war, dass es sich um einen großen Jahrgang handeln musste, alle 4 TCA freien Weine waren von hervorragender Qualität. Als wir alles an großen Jahrgängen auf den Tisch legten & niemand nur einen richtigen erkannte, teilte uns der Stifter der Weine, Jürg Richter mit, dass es sich um ein & denselben Jahrgang handelt. Auf 1924 kam jedoch keiner der Anwesenden. Was für eine Serie, einfach nur grandios.

Es kam aber noch älter, ein 1889er Sigalas-Rabaud war auf dem Tisch, gefunden auf Lafaurie-Peyraguey, mit nur mittlerem Niveau. Eine sehr prägnante Madeira-Nase mit Talkum & deutlicher Oxidation, im Mund aber mit erstaunlicher Balance & durchaus schöner Süße. Hier kann man, wenn man will, zwei Wertungen vornehmen: eine für die eigentliche Qualität des Weines (16.25) & die andere für den historischen Wert der Flasche (19), zumal die Füllhöhe sehr schlecht war.

Frédéric Nivelle, technischer Direktor auf Climens, bereitet die Probe vor.Nun aber zum 28. März, hauptsächlich den Sauternes’s & Barsac’s gewidmet. Gleich vorneweg ein Sahnehäubchen, denn ich konnte zusammen mit Rene Gabriel auch den Extravagant de Doisy-Daëne verkosten. Nicht viele bekommen den zu probieren, ist er doch ein extrem rarer Barsac, der deshalb nur in halben Flaschen abgefüllt wird.

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Um 10:30 Uhr ging es auf Château Climens mit den Süßweinen aus dem Sauternes & Barsac dann endlich los. Man sollte meinen, wenn man auf Climens ist, um den neuen Jahrgang zu verkosten, dann steht in der Reihe der goldenen Flaschen, eben auch jene von Climens. Nein, das tut sie nicht. Von Climens gibt es nie die fertige Cuvée zu verkosten, sondern man verkostet zig verschiedene Barriques, meist in der Reihenfolge des aufsteigenden Süßegrades. Warum? Na, damit man die berühmte Extrawurst braten kann, man will sich einfach abheben von der Masse. Apropos Wurst, das am Schluss servierte 8 gängige Häppchen-Menü war Sterne verdächtig. Ganz große Küche wurde das serviert.

Vorher gab es noch die Jahrgänge 2001 bis 2007 von Climens & das war ebenfalls eine mehr als beeindruckende Serie. Ich meine bzw. bin überzeugt davon, dass man die Qualität auf Château Climens innerhalb der letzten 10 bis 15 Jahren deutlich angehoben hat. Diese Serie plus meine bisherigen Notizen belegen dies eindeutig. Nicht ein wirklich schwacher Jahrgang war innerhalb 2001 bis 2007 auszumachen.

Denis Dubourdieu - Macher des Extravagant de Doisy-Daëne

Danach kurzentschlossen noch mit der Rene Gabriel Truppe zu Denis Dubourdieu um, u.a. den erwähnten Extravaganten, Clos Floridene, & ein paar einfache aber gute AOC-Bordeaux zu probieren. Denis Dubourdieu im Übrigen macht den Yquem, den gibt es aber erst am Mittwoch zu verkosten. Es trennten sich dann unsere Wege, denn ich musste den Mietwagen an den Flughafen zurückbringen. Abgeholt vom Flughafen & auf Château Guiraud chauffiert, wo ich sogleich von Xavier Planty sehr freundlich in Empfang genommen wurde.

Als erstes kam der Weise Château de la Carpia dran, der ein hervorragednes PLV (dürfte ca.bei € 7-8 EVP liegen) zeigt. Sein roter Gegenpart auf gleichem Niveau, wahrscheinlich einen Euro teurer. Weiter ging es mit den Weinen der Domaine de Chevalier, den Neipperg Gütern d’Aiguilhe, Clos de l’Oratoire, Canon-la-Gaffliere, La Mondotte & Guiraud weiter ging. Auch hier gab von Guiraud zum weiteren Verkosten die aktuellen Jahrgänge von 1996 bis 2007. Und auch hier eine hervorragende Serie, die aber nicht ganz die Klasse der Climens Serie erreicht.

Die Neipperg Weine wie immer sehr wuchtig, fruchtkonzentriert & einfach etwas zuviel Alkohol. Da fehlt meines Erachtens etwas die Balance. Der d’Aiguilhe kommt mit sehr konzentrierter Aromatik von Schwarzer Johannisbeere & Holundersaft daher. Extrem modern & zuviel des guten. Der Clos de l’Oratoire ist besser ausbalanciert  & etwas zurückhaltender in der Art. Dunkle rauchiger Stil mit kräftiger Struktur, ein voller, fruchtbetonter & moderner Wein. Dann der Canon-la-Gaffliere welcher mir am besten gefällt. Sehr strukturiert mit noch satten aber reifem Tannin, sehr guter Balance & einer guten Mischung aus modern & klassisch – mit Gewichtung in der modernen Ecke. La Mondotte war dann Power pur, geschliffene Struktur, sattes aber reifes Tannin, eher erdige & noch verschlossene Aromatik aber halt sehr deutlicher Alkohol. Ich glaube eher nicht, dass sich dieser Wein ausbalancieren wird. Und wenn doch, dann umso besser.

Eingang zum Verkostungsraum auf GuiraudAn etwas reiferen Rotweinen gab es den 2001er Canon-la-Gaffeliere, von der Domaine de Chevalier gab es den 2000er aus der Magnum & den 1990er aus der Doppelmagnum. Der 2001 war schon sehr weit & macht mich etwa stutzig, evtl. eine schwächere Flasche? Deutliche Reifenoten, ein oxiadiver Tocuh & sehr mürber überreifer Frucht. Die 2000er magnum deutlich besser,mit frischerer Frucht aber auch schon erste Ansätze des Höhepunktes erreicht, sehr guter reifer Bordeaux. Auf dem Zenit eines reifen Bordeaux ist der 1990er aus der Doppelmagnum. In der normalen Flasche dürfte es für den Wein sehr schwierig sein, noch zu überleben.

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Erstes Fazit Sauternes

Auch hier lässt sich ein Vergleich mit 2005 herstellen. Sehr ähnlich konzentrierte Süße, der passenden Säure dazu aber mit einer etwas besseren Balance ausgestattet. Die Weine wirken nicht ganz so wuchtig, was den Alkohol anbetrifft, wie man es doch ab & an in 2005 findet. Es kombiniert sich Eleganz, Rasse & Kraft zu einem idealen Sauternes Jahrgang. Die Süße sitzt nicht oben auf, sie wirkt zwar sehr dicht, satt & kompakt, wird aber durch Säure, Mineralität & den Extrakt hervorragend abgepuffert. Sogar der Extravagant de Doisy-Daëne wirkt in 2009, wohlgemerkt für seine Verhältnisse, elegant, frisch & mit bester Balance. Immer noch ein Monument, jedoch kein Bulldozer sondern die Klitschko Brüder im Doppelpack.

Das Holz wird bestens aufgenommen, keine Weine, die nach penetrant nach Eichenlohe schmecken. Im Gegenteil, man hat das Gefühl die Weine schlucken das Holz geradezu & es wurde nicht weniger Neuholz verwendet als allgemein in den Jahren zuvor.

Zusammengefasst könnte man den 2009er Sauternes mit dem Begriff kraftvolle Balance bezeichnen. Als erste Messlatte der Besten Châteaus sehe ich in alphabetischer Reihenfolge:

Chantegrive (PLV = Top Preis-Leistungsverhältnis), Clos Haut-Peyraguey (PLV), Coutet, Doisy – Daëne, Extravagant de Doisy-Daëne, Guiraud, Lafaurie-Peyraguey, de Malle (PLV), Nairac, Rieussec.

Negativ oder nicht mit der gewohnten Qualität sind mir bis dato folgende Châteaus aufgefallen: Romer, Broustet, d’Arche & Rayne Vigneau.

Da noch einige Weingüter fehlen, wie Yquem zum Beispiel & alle Süßweine mindestens noch einmal verkostet werden, werden sich die Listen sicherlich noch verändern.

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29. März

Weil in den letzten Tagen nie ein Internetzugang möglich war, kommen die Einträge leider sehr spät. Heute Morgen – noch auf Lafaurie-Peyraguey – habe ich die bisherigen Notizen ins Reine gebracht, sprich die Kürzel ausgeschrieben & Rechtschreibfehler verbessert. Und mir auch nochmal einzelne Notizen in Erinnerung gerufen. Das kostet, man glaubt es wirklich nicht, eine Unmenge an Zeit. So war es rasch 13:45 & der Fahrer draußen im Hof hupte schon ungeduldig, um mich auf Château Coutet zu bringen.

Die 2. Runde der Sauternes’s & Barsac’s stand zur Verkostung an. Wie immer alles blind, die Flaschen sind mit goldener Folie eingepackt, man sieht definitiv nicht, um welches Château es sich handelt. Bei der ersten Probe der Sauternes’s auf Climens, waren die Weine hingegen offen. Im Großen & Ganzen jedoch war der erste Eindruck, dem zweiten nahezu identisch mit 3 Weinen die sich besser zeigten.Nur bei der Probe auf Coutet zu probieren war das Château de Fargues, das mich sehr beeindruckte.

Überhaupt ist meiner Ansicht nach de Fargues ganz klar in den Top 10 der Sauternes Weingüter. Seit dem ersten Jahrgang, dem 1943er, beeindruckt das Château auch mit reiferen Jahrgängen. Bis dato habe ich noch keine mittelmäßigen oder gar schlechten de Fargues’s probiert, gleichgültig ob jung oder alt.

Das 2. Fazit kommt sobald ich wieder im eigene Bett schlafe, also am kommenden Wochenende.

Danach mit Fabian Barnes, einem französischen Weinjournalisten, rüber nach St. Macaire gefahren um dort eine große Menge an Süßweinen zu verkosten. Die kamen aus Loupiac, Graves Supérieures, 1. Côtes des Bordeaux, Côtes de Bordeaux St. Macaire, St. Foy Bordeaux, Bordeaux Supérieur, Cérons & Cadillac. Das war teilweise schlimm, mit nur wenigen einigermaßen guten Weinen. Vor allem jene aus Macaire waren teilweise eine Unverschämtheit sondergleichen. Wasser + Alkohol + Zucker + Farbe = Süßwein. So denken wohl einige Winzer dort, teilweise das billigste vom billigen. Die nachfolgende kurze Pause im Restaurant von Fabians Freundin war dann der eindeutig schönere Teil an diesem späten Nachmittag.

Nach dieser kleinen Pause, Helmut (Knall(i), WineTimes) abgeholt & weiter ging es zum offiziellen Dinner der Union des Grands Crus de Bordeaux auf Château La Dominique. Glück gehabt mit den sehr netten & unterhaltsamen Tischnachbarn. Als da waren u.a. Laure de Lambert des Granges-Compeyrot, Direktorin von Sigalas-Rabaud, Eric d’Aramon Herrscher auf Figeac, Ulrich Sauter vom Feinschmecker & die Besitzer von Château Dauzac.

30. März

Der Grosse in der Mitte

In der Mitte das Schwergewicht auf Cheval Blanc

Auch hier in der Mitte, das Schwergewicht auf Cheval Blanc 😉

Der Dienstag fängt gleich sehr namhaft an, es geht nach Cheval Blanc, wo es deren 3 Weine zu verkosten gibt. Der Tour du Pin, den Petit Cheval Blanc & den Grand Vin Cheval Blanc himself. Der Tour du Pin ist schon auf sehr hohem Niveau, dichte Struktur & eine saftige zugleich gradlinige Frucht. Das alles wird von einer kalkigen Mineralität untermauert, die dem Wein ein karge Noblesse verleiht. Der Petit Cheval mit deutlich mehr Kraft, mittig etwas wuchtiger wirkend & einen Hauch alkoholisch – aber alles im vernünftigen Bereich. Der Grand Vin ist nur sensationell zu nennen. Eine immens dichte aber nie fette oder gar pomadige Frucht. Rasse pur mit eine unglaublichen Tiefe & Komplexität versehen, die fasziniert. Ein sehr großer Cheval Blanc, definitiv, der den Jahrgang perfekt darstellt! Grandios.

Danach ist gleich St.-Emillion & Pomerol auf Château Larcisse-Ducasse an der Reihe. Man sitzt in einer Art Scheune auf der 2. Etage & es fällt ab & an der Strom aus. Der Sturm rüttelt gewaltig an dem alten Gemäuer & der Regen fällt nicht mehr von oben herab. Nein, der peitschende Mix aus Regen & teilweise Hagel kommt horizontal daher. Es zeiht wie die berühmte Hechtsuppe, allerdings sind da wohl mehrere Hechte am Werk.

Die Weine aus St.-Emillion & Pomerol zeigen sich mit überraschend gut eingebundenem Alkohol & nur sehr selten mit marmeladiger Frucht. Die Balance welche die beiden Gebiete an den Tag legen ist hervorragend. Eine dichte aber elegante Frucht wird von spürbaren aber sehr reifem Tannin ergänzt. Die Säure gibt Frische, die ich in dieser Form nicht für möglich gehalten hätte, da der Jahrgang nicht wirklich ein kühler war. Aber die heißen Tage wurden von kühlen Nächten in nahezu idealer Weise ausgeglichen. Bei der Frucht schreibe ich auffallend oft pfeffrig, tintig, Veilchen oder Grafit (Schwarzpulver) in den Notizen, wenn es denn möglich war, die Frucht zu erkennen. Denn oft sind doch noch Gäraromen dominierend, die dann vorherrschend sind. Alle Weine sind sehr extraktreich, auch daran erkennbar, dass nicht allzu viel Weine nach Holztannin (Eichenlohe) schmecken. Die sehr kompakte Substanz der Weine, schluckt das Barrique förmlich weg. Das war in 2008 anders. Man schmeckt einfach die sehr dicht verwobene & mineralische Frucht deutlich heraus. Da steckt eine Menge Substanz & bestes Reifepotenzial drin.

Auf Himmel & Erden

Auf Himmel & Erden

Herr

Monsieur Berouet & seiner Mitarbeiterin

Dann war Yves Beck so freundlich, mir kurzfristig einen Termin zu organisieren, um den EINEN Pomerol zu degustieren – Château Petrus. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch nie Petrus als Primeur probiert habe. Und ich war beim ersten Schluck schockiert, überrascht, baff, erstaunt…….wie zugänglich, extrem tief & unglaublich komplex der Wein schon war. Das war Samt & Seide mit noch etwas Schmiergelpapier darunter. Ganz ehrlich, mein erster Gedanke war:“ hält das Teil 10 Jahre, oder fliegt einem danach der liebe Petrus um die Ohren?“. Beim nochmaligen konzentrierten Probieren war ich dann doch erleichtert. Da steckt eine perfekte Balance & ein sehr kompaktes Rückgrat dahinter, es fliegt also nichts in 10 Jahren! Das war schon ein denkwürdiger Moment, als ich den ersten Schluck Primeur-Petrus probierte, ohne Frage. Nochmals kurz zu Latour zurück, wo man sich schon sehr arrogant behandelt fühlt, will man einen Termin abmachen oder wenn es um ein kleines bisschen Flexibilität geht. Wie einem Kollegen passiert, der 20 Minuten zu spät kam & die Weine nicht mehr probieren durfte. Hier auf Petrus ist es warm, herzlich & man fühlt sich einfach wohl. Der Grandseigneur Jean-Claude Berrouet persönlich war zugegen & zeigte sich erfreut mit uns über seinen Wein diskutieren zu können. Inzwischen hat sein Sohn Olivierdie Verantwortung übernommen. Und es fehlt ihm nichts,dem  so meinte Jean-Claude Berrouet schmunzelnd.

Auf Château Ausonne empfängt man uns ebenfalls sehr freundlich & wir können in aller Ruhe die 7 „Emillions“ von Alan Vauthier probieren. Und die sind durch die Bank weg auf höchstem Niveau, jeder in seiner jeweiligen Klasse. Der erste Wein im Glas ist Château Fonbel, eine Cuvee aus 65% Merlot, 25% Cabernet Sauvignon, 7% Petit Verdot & 3% Carmenere. Sehr elegant, mineralisch, mit sehr schöner klarer roter Frucht & mit sehr guter Balance – anspruchsvoll. Danach folgte ein mit körnigem Tannin, Kraft & eher erdiger Frucht ausgestatteter Château Simard, zudem noch mit sehr elegantem Abgang. Der größere Bruder ist der Haut Simard der im Gegensatz zum Simard auch das Barrique sieht & nicht nur die Betontanks. Sehr ähnlich dem Simard, mit mehr Struktur, etwas mehr Dichte & roter, sehr purer Frucht. Sollte sich sehr gut entwickeln.

Château Moulin Saint Georges war der nächste Wein mit 80% Merlot, jener mit dem höchsten Anteil dieser Rebsorte. Auf Lehm- & Kalksteinböden stehen die Rebstöcke, welche inzwischen 26 Jahre alt sind. Ein hervorragender, fast aristokratischer & strenger Wein, der aber eine sehr intensive, rotbeerige Frucht aufweist. Kein einfacher Wein aber mit eigenem Stil & Charakter. Der 2.Wein von Ausone, Chapelle d’Ausone, ist das Kraftbündel in der 2009er der Familie Vauthier. Momentan noch etwas karg wirkend mit sattem Alkohol, noch unruhiger Aromatik, sehr wild daherkommend aber trotzdem viel Finesse & Tiefe.

Ausone, noch komplett unfertig aber die großartige Struktur, konzentrierte & rassige Aromatik schon aufzeigend. Enormer Extrakt verwoben mit sehr feinmaschiger Tanninstruktur & eine sehr samtigen rot schwarzen Frucht, bilden die Basis für diesen großen Wein. Sicherlich wird der Ausone die Meinungen spalten.

Angelus hat mich enttäuscht, den was da an Alkohol zum Vorschein kam, war schon enorm wuchtig, ja fast brandig. Ich konnte mit diesem Wein nicht viel abfangen. Schon etwas besser der 2.Wein, Carrillon mit frischer Säure, klassischer Art & einer guten Balance. Auch auf Angelus probiert & überzeugend waren u.a. Tour de Sarrail / Bordeaux, de Francs „Les Cerisiers“ / Bordeaux Côtes de Francs, de Fieuzal / Graves & Lamothe-Bergeron / Haut Medoc. Überhaupt bin ich überzeugt, dass von der hervorragenden Qualität des 2009er Jahrgangs, auch oder vor allem die kleineren Châteaus stark profitieren. Bei den Grossen sind die Jahrgangsunterschiede auch deutlich schmeckbar, aber sicher nicht so, wie es bei den kleineren ist. An der nicht neuen & oft gehörten Aussage, in kleineren Jahren große zu & in großen Jahren, kleinere Châteaus kaufen, steckt auch in 2010 viel Wahrheit.

Noch eine Bemerkung: Dies hier ist aber nur ein erstes Abtasten & der eine oder andere Wein wird sich noch ins positive oder negative verändern. Generell ist der Jahrgang schlichtweg groß. Man darf nicht vergessen, es um nichts anderes als einen allerersten Jahrgangsüberblick bei der BDX-Primeurs-Rally.

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31. März

Auf Maucaillou

Auf Maucaillou

Heute geht es weiter mit Moulis-en-Medoc, Listrac-Medoc & Margaux auf Chateau Maucaillou mit darauf folgendem Mittgagessen. Direkt von Maucaillou fahren wir weiter auf Chateau La Lagune, dort wird die Pressekonferenz der Union des Grands Crus de Bordeaux stattfinden. So gegen 16:00 empfängt Yquem die „Meute“ der Verkoster mitten in Bordeaux im Grand Théâtre de Bordeaux. Wie immer sehr freundlich & für jedes Foto zur Verfügung stehend, merkt man Pierre Lurton (Direktor von Cheval Blanc & Yquem) den mehrwöchigen Dauerstress nicht an. Das Ambiente ist Grandin jeder Hinsicht. Überirdische Kronleuchter, ein Saal, in dem sich die anwesenden Personen etwas verlieren. Dies hat aber für mich wiederum

Yquem Impressionen

Yquem Impressionen

ein paar Vorteile, ich habe Platz für mein Laptop & kann in aller Ruhe den 2009er Yquem verkosten. Zusätzlich wird noch der 1989er ausgeschenkt, der sich in sehr guter Verfassung präsentiert.Apropos Verfassung, eine gewisse Müdigkeit schleicht sich schon ein. Nach der Yquem Verkostung setze ich heute mit dem abendlichem Dinner auf Château Lascombes aus & bleibe auf meinem Zimmer. Das Laptop bleibt aber nicht geschlossen, sondern die Notizen des heutigen Tages werden nochmal kurz überflogen. Da ich blind probiere, prägen sich die Weine halt nicht so ein, als ob man offen probiert. Deshalb ist dieses nochmalige durchlesen enorm wichtig für mich.

Viel wichtiger hingegen ist, was hat der Tag degustatorisch gebracht? Fangen wir mit Moulis-en-Medoc an, mit insgesamt 30 probierten Gütern (Union des Grands Crus & weitere Güter). Das gesamte Niveau war sehr gut, mit einigen kräftigen Weinen, nie aber mit alkoholischer oder marmeladiger Art. Sicher, ein paar hatten eine durchaus konzentrierte Frucht, aber noch im Rahmen des Vernünftigen. Sehr gut gefallen haben mir Château Poujeaux: Kraftvoll, dicht & noch sehr verschlossen aber mit dichter Substanz & vor allem einer herrlichen, Frische gebenden Säure. Château Maucaillou war das direkte Gegenteil mit einer konzentrierten, leicht kirschlikörartigen Frucht. Trotzdem ein sehr schöner Wein, der schon früh zugänglich sein wird. Ein saftiger fruchtbetonter & doch strukturierter Bordeaux, der noch zu einem vernünftigen Preis zu bekommen sein sollte.

Ach ja die Preise, diese werden definitiv steigen! Es wurde erzählt, dass Robert Parker gesagt haben soll (Betonung auf SOLL), 2009 sei der BESTE bis dato von ihm probierte Bordeaux en Primeur Jahrgang überhaupt. ABER nochmal um das ganz eindeutig zu sagen: ich weiß wirklich nicht, hat er das wirklich gesagt oder wurde das von Seiten der Bordeauxhändler und/oder Weingüter in die Medienlandschaft gestreut. Beides ist absolut möglich, ebenso dass er es gesagt hat. Sollte dem so gewesen sein, dann „Gute Nacht“ liebe Bordeauxfreunde. Es werden somit wohl stürmische Zeiten im Portemonnaie anstehen.

Château Chasse Spleen bildet wie fast jedes Jahr zusammen mit Poujeaux die Speerspitze im Moulis. So ist es auch im Jahrgang 2009. Modern, mit feiner brombeeriger Frucht, sehr eleganter, ausbalancierter & saftiger Art, überzeugt er ohne Frage. Maucaillou ist das Kraftbündel der Besten im Moulis mit kraftvollem Alkohol, aber einer eher molligen Frucht, die dem Alkohol gut Paroli bietet.

Im Listrac (nur 12 Weine verkostet) sieht es einen Hauch schlechter aus. Durchgehend leichter, etwas balancierter mit einer nicht so molligen oder konzentrierten Frucht. Schlanke zugleich saftige Weine, von denen mir die Güter Clarke & Fourcas Hosten am besten gefallen haben.

Maucaillou - Ein Teil der Weine

Nun zur Appellation Margaux (43 verkostete Weine), mit einer aus meiner Sicht sehr homogenen & hervorragenden Qualität. Leider konnte ich sowohl Château Margaux als auch Château Palmer nicht verkosten. Übereinstimmend sehr positiv aber sind die Meinungen der von mir befragten Kollegen, die beide Güter in der Spitzengruppe ganz nach vorne stellen. Die Weine aus Margaux werden ihrem Ruf gerecht, sehr elegante & balanciert zu sein. Speziell in 2009 zeichnet sie eine harmonische, geschmeidige & samtige Art aus. Weniger fruchtbetont, dafür auf Balance & eher mit erdiger und/oder tabakiger Aromatik ausgestattet. Aufgefallen sind mir 2 Weingüter, nämlich Château Kirwan & Château Rausan Gazzies. Entweder werden die richtig groß & stellen einen grandiosen PLV-Wert dar oder sie trocknen nach einigen Jahren aus. Beide wirken sehr stark extrahiert mit extrem antrocknender & adstringierender Tanninstruktur – das war wie wenn man auf Korkbrösel beißt. Das muss unbedingt nochmal nachprobiert werden. Hervorragend haben mir die Chateaus Siran, Rauzan-Ségla, Monbrison, Prieuré-Lichine, du Tertre, Desmirail & Dauzac gefallen. Etwas enttäuschende Fassproben stellten Brane-Cantenac & Giscours an. Auch eher unbekannte Güter aus dieser Appellation, stellten sich mit tollen Weinen dar.

Abends dann wieder Dinner mit weiteren Gästen auf Château Lascombes, leider gibt es imer wieder dieselben 2 Weine aus 2006, den Chevalier de Lascombes (sehr guter 2. Wein) & den Grand Vin. Ich will ja nicht meckern, zumal beide Weine sehr gut sind. Nur, wenn man das an den 4 darauf folgenden Abenden geniessen darf, sehnt man sich doch nach einem anderen Jahrgang.

Die Zusammenfassung der sehr interessanten Pressekonferenz wird separat publiziert. Vorab, Professor Denis Dubourdieu & Laurence Gleny haben nicht nur eine Lobeshymne nach der anderen auf 2009 gesungen, sondern relativ sachlich über den Jahrgang referiert.

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01. April

Das Bett auf Lascombes macht sich so langsam schmerzlich bemerkbar. Eine Hängematte oder man könnte es auch mit einer Schiffschaukel vergleichen – die Dinger, die früher auf den Rummelplätzen zu finden waren. Jede Bewegung wird durch das Bett noch vervielfacht, nichts für jene, die schnell seekrank werden.

Mouton Rothschild - Verkostungsraum

Mouton Rothschild - Verkostungsraum

Pierre Luigui, Chefredakteur des französischen Gault Millau, Sparte Wein, nächtig auch auf Château Lascombes. Er bietet mir an, mich am heutigen Tag mitzunehmen, wir haben den exakt gleichen Tagesplan – perfekt. Der beinhaltet jetzt am Vormittag die Gebiete St.-Julien, Pauillac, St.-Estephe & das Haut-Medoc. Château Talbot ist der Gastgeber für diese Verkostung & auch für den nachfolgenden Lunch. Nach der Stärkung auf Château Talbot geht es zuerst weiter auf Château Duhart-Milon um dort die Weine der Lafite Rothschild Güter zu verkosten. Nicht alle, aber zumindest sind dort Carruades de Lafite, Duhart-Milon & Lafite-Rothschild verfügbar. L’Evangile & Rieussec werden an anderen Orten zur Verkostung bereitgehalten. Wie immer bei den Großen, geht so was nur mit vorher bestätigtem Termin – einfach so, auf Gut Glück, vorbeischauen ist reine Zeitverschwendung. Das Schwestergut von Château Lafite-Rothschild, Mouton Rothschild folgt hinterher.

Grand Vin - Lafite Rothschild

Grand Vin - Lafite Rothschild

Ein weiteres Schwestergut, nämlich das von Château Pichon-Longueville Comtesse de Lalande, Château Pichon-Longueville ist die letzte Haltestelle des heutigen Tages. Noch eine Bemerkung zur Organisation: alleine Château Haut Brion hat innerhalb der 2 Wochen 2000 angemeldete Besucher, die nur eines wollen – die Weine verkosten. Das ist schon, rein logistisch betrachtet, kein Kinderspiel.

Gehen wir zur ersten Verkostung an diesem Morgen & beginnen mit dem Haut-Medoc (insgesamt Haut-Medoc 31 Weine inkl. weiterer Degustationen). Auch hier kann ich von einem sehr hohen Niveau berichten. Allgemein etwas kraftvoller als andere Gebiete, ein paar Weine sind da leicht überextrahiert. Wiederum ein paar Weine mit einem Touch frischer & herber Aromatik & etwas leichterer Art. Dies ändert nichts an dem sehr guten Eindruck im Haut-Medoc. Hervorzuheben sind da La Lagune das sich sehr kraftvoll aber auch mit einem unglaublichem Potenzial präsentiert. Da könnte was sehr Großes her

anwachsen & evtl. dem 1966er oder dem 1970er nacheifern. Ein „entweder oder Wein“, ist das Château de Lamarque. Entweder trocknet das Ding innert 5 Jahren aus, weil ein schier brachiales Tanningerüst dem Wein die Lkuft abschnürt. Oder wenn sich die sehr kompakte & sehr dichte Frucht befreit, dann wird es ein hervorragender Wein. Allerbeste Anlagen für ein langes Leben wären dann zur Genüge vorhanden. Offener & mit ebenfalls großen Anlagen, stellt sich der La Tour Carnet dar. Auch er ist stark extrahiert, jedoch nicht so extrem wie der Lamarque. Mit Kraft, leicht

Die 3 auf Duhart-Milon

ausladender Struktur aber einer sehr guten balancierten Art ausgestattet, war er die Überraschung für mich. Der Citran ist sehr modern, mit einer leicht likörhaften Aromatik & trotzdem sehr gut ausbalanciert. Sehr mineralisch mit reifem Tannin, was ein gutes Gegengewicht zum modernen & likörhaften ist. Sollte ein sehr guter Wert sein, der im bezahlbaren Bereich liegen wird.

St.-Estephe zeigte sich auch kraftvoll aber bis auf den Phelan-Segur, innerhalb einer vernünftigen Balance. Beim Château Phélan-Ségur kann ich mir vorstellen, dass die Flasche nicht Ok war. Der Wein war ab Mitte Gaumen sehr alkoholisch, der Abgang sogar leicht brandig. Und Phélan-Ségur hat in den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt, somit würde mich es sehr wundern, wäre diese Flasche Ok gewesen. Es würde den Qualitäten der letzten Jahre komplett in keiner Weise gerecht werden. Hervorragende Weine zeigten Les Ormes de Pez, de Pez & Lafon-Rochet, das etwas dahinter liegt. Leider nicht verkostet sind Cos d’Estournel & Montrose, wird jedoch nachgeholt.

Pauillac! Insgesamt 39 Weine probiert, das sollte für Pauillac, um einen ersten Trend aufzuzeigen, absolut ausreichend sein. Fangen wir mit den „merkwürdigen“ oder sehr schwierigen Weinen an. Und hier zeigt sich ein Vorteil, wenn man blind verkostet (ABER: sowohl blind als auch offen Verkostungen haben Vor- & Nachteile!). Einen Bonus aufgrund des bekannten Namens gibt es halt nicht.

Haut-Bages-Libéral war in der Nase zwar herb aber Ok. Im Mund war das der schlimmste, von bitterstem Tannin geprägte Wein, den ich je hatte. Keine Ahnung, was da los war, einfach nicht zu bewerten – die 2. Flasche glich einem Zwilling. Lynch Bages war auch von sehr dichtem, noch grünem Tannin dominiert, sehr wuchtig, aber zumindest war da noch Frucht erkennbar. Nur für Lynch Bages, Hmm enttäuschend & das heißt, einfach nochmal probieren. Der Alkohol & das Tanningerüst bereitete mir schon Kopfzerbrechen – auch hier habe ich die Konterflasche mit dem gleichen Ergebnis probiert.

Verlassen wir die „Merkwürdigen“ & gehen zu Topweinen. Wie erwähnt habe ich Latour nicht degustiert, es soll aber ein sehr klassischer, noch verschlossener & großer Latour sein bzw. werden. Deshalb zu meinem Favoriten im Pauillac. Mit dem Hinweis, dass der Preis hier der Hinderungsgrund ist, warum sich der Wein später nicht in meinem Keller befinden wird. Château Lafite-Rothschild ist pure Eleganz & Finesse! Auch wenn klar ist, dass er sich deutlich verschlossener bei der Arrivage präsentieren wird – das war schon Grandios. So tief, so komplex, so geschliffen aber auch schon so gut zugänglich, dass man ihn grad so hätte wegtrinken können. Und der Carruades de Lafite ist, elegant & rassig, dem Lafite Rothschild dicht auf den Fersen. Ich muss gestehen, dass ich die „3 Lafite’s“ offen probiert habe. Und, dass es mit Schwierigkiten verbunden gewesen wäre, den Carruades blind vom Lafite zu trennen – zumindest aus Sicht der Qualität. Wäre ich Händler, würde ich meinen Kunden folgendes raten:; Eindeutige Kaufempfehlung!!!!!

Charles Chevallier

Charles Chevallier

Der Duhart-Milon auf dem gleichen Niveau wie der Carruades, wenn gleich etwas offener, eine Nuance fruchtiger & frischer wirkend. Eine wunderbare, leicht körnige Textur & gepaart mit etwas minziger & cassisartiger Aromatik. Klasse, alle 3!

Dann ging es zum Golfen bzw. zu Mouton Rothschild. Die elektrischen Golfcars stehen in Reih & Glied, um Pierre Luigui vom französischen Gault Millau & mich geschätzte 200m zu chauffieren. Wir waren heilfroh nicht zu Fuß gehen zu müssen 😉 . Auf diesem langen & steinigen Weg hätte uns der Himmel auf den Kopf fallen können. So hätte es wohl der Majestix, Häuptling von Asterix & Obelix ausgedrückt.

Der Le Petit Mouton de Mouton Rothschild mit schwarzer Farbe & Aromatik, ist absolut überzeugend. Mit frischer Säure, dichter & verwobener Struktur ist das ein knapper 18er Kandidat, mit Steigerungspotenzial. Der Preis wird wohl das Kriterium sein, ob Kaufen oder Nichtkaufen. Die Qualität ist es nicht, denn die steht außer Frage. Sowohl der d’Armailhac als auch der Clerc Milon sind einfach hervorragend. D’Armailhac mit 60% CS, 24% M, 14% CF & 2% PV, etwas fester & kompakter. Clerc Milon’s Cuvée besteht aus 50% CS, 44% M & je 1% PV & Carmenère. Er wirkt durchaus etwas offener & geschmeidiger – hier entscheidet der persönliche Geschmack, welchen von beiden, man bevorzugt.

Nun zum Grand Vin, kurzgefasst – Grandios! Alles noch eine Stufe dichter, intensiver & extrem feinmaschig mit der kompaktesten Struktur aller „4 Mouton’s“ (88% CS, 12% M).

Der letzte Termin von heute war dann bei Pichon Longueville – also beim Baron de Pichon Longueville. Die Comtesse de Lalande war in der Union des Grands Crus Probe mit dabei. Mit dabei beim Baron waren auch die Châteaux: Pibran, Les Tourelles de Longueville, Pichon Longueville, Petit Village. Weiter gab es den trockenen Suduiraut S & den süßen Suduiraut.

Der Pibran wird sicherlich den Weg in meinen Keller finden, so denn er preislich nicht in die Höhe schießt. Saftig mit dunkler Frucht, trotzdem strukturiert & mit einem sehr mineralischem Unterbau. Mindestens 5-6 Jahre sollte der Wein besten Genuss bieten, ich meine aber, dass er 10 Jahre hält. Les Tourelles de Longueville, 2. Wein von Pichon Longueville, war noch etwas unfertig in der Nase. Sehr viel Veilchen, etwas Trüffel & schwarze getrocknete Kräuter sowohl in der Nase als auch im Mund. Wirkte modern & etwas gefällig & früh trinkreif mit runder saftiger Art.

Aus dem Pomerol kommt der nächste Wein, Château Petit -Village. Mit 75% M, 17% CS & 8% CF dominiert der Merlot & man riecht es schon in der Nase. Süßliche würzige, leicht schwarzkirschige & etwas pflaumige Aromen kommen sehr elegant daher. Hat mir am Gaumen mit kraftvoller, ausladender zugleich aber schön ausbalancierter Struktur sehr gut gefallen.

Samtig, weich & geschliffen, so hab ich mir den Pichon Longueville notiert. Runde Säure, eher abgeschmolzenes Tannin, frische aber reife rote & schwarze Waldfrüchte. Alles endet im sehr sämigen & komplexen Abgang. Auch hier wird sich der Wein nach der Arrivage fester & robuster zeigen – gefällt mir sehr gut.

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2. April

The last day in France. Das dachte ich zumindest an jenem Morgen. Es kam noch ein Tag am Pariser Flughafen Charles de Gaulle dazu, unfreiwillig. Der Flug ab Bordeaux sollte mit ca. 90 Minuten Verspätung starten & somit war der Anschluss von Paris nach Zürich nicht mehr erreichbar.

Degustation auf Haut-Brion

Degustation auf Haut-Brion

Die Weiss- & Rotweine von Graves et Pessac-Léognan standen heute Morgen auf dem Programm. Vor der Union des Grands Cru de Bordeaux Verkostung ging es noch zu Haut-Brion. Dort standen 7 Weine bereit. Man sitzt etwas beengt, kein Platz fürs Laptop, nur dann, wenn der Nachbarsitz nicht belegt ist.

Weiss: La Clarté de Haut-Brion (84% Sémillon, 16% Sauvignon Blanc), La Mission Haut-Brion Blanc (84% Sémillon, 16% Sauvignon Blanc), Haut-Brion Blanc (38% Sémillon, 62% Sauvignon Blanc).

Rot: La Chapelle de La Mission Haut-Brion (46% CS, 44% M, 10% CF), Le Clarence de Haut-Brion (46% M, 39% CS, 13% CF, 2% PV), La Mission Haut-Brion (47% CS, 47% M, 6% CF), Haut-Brion (46% M, 40% CS, 14% CF).

Der La Clarté de Haut-Brion mit reifer aber nicht überreifer, aromatischer Frucht. Saftige runde Art im Mund & mit dezenter mineralischer Note unterlegt – sehr gut gemacht. Nicht die Rasse schlechthin aber auch nicht weichgespült.

La Mission Haut-Brion Blanc ist verschlossener, dichter aber auch etwas kraftvoller, mit einer an Kalkgestein erinnernder Mineralität. Frische etwas kühle Art mit sehr gutem Potenzial.

Haut-Brion Blanc zeigt den sehr hohen Sauvignon Blanc Anteil deutlich, mit reifen Kiwis, Stachelbeeren & etwas Brennesselaromen. Sehr tief, rassig mit Struktur aber noch verschlossen.

Der rote La Chapelle de La Haut-Brion schon mit sehr mineralischer & leicht körniger Textur. Dabei kraftvoll ohne fett oder wuchtig zu sein & mit frischer Säure versehen. Hat Stil & Klasse.

Le Clarence de Haut-Brion dagegen wirkt knochentrocken, noch etwas hart & mit leicht grünlichen Aromen. Dezentes Tannin, frische Säure & eine noch herbe Aromatik kennzeichnet den Wein. Nicht an die Qualität des La Chapelle heranreichend.

La Mission Haut-Brion ist sehr dicht, deutlich auf der kraftvollen Seite mit sehr sattem noch bitterem Tannin. Wirkt sehr extrahiert, mit verkapselter Frucht, aber auch gutem Potenzial. Sehr guter Wein aber schwierig zu taxieren.

Jean-Philippe Delmas - "Chef" auf Haut-Brion

Jean-Philippe Delmas - "Chef" auf Haut-Brion

Hingegen stellt sich der Haut-Brion deutlich balancierter, eleganter & mit rassig-eleganter Art dar. Schon mit leicht süßlicher, an warmem Tabak erinnernder Aromatik, Cassis im Hintergrund, dichtem aber geschliffenem Tannin & einer frischen Säure. Deutliches Potenzial, sehr langer noch verschlossener Abgang – Groß!

Und gleich weiter geht’s auf Château Haut-Bergey, wo es 17 weiße & 17 rote Graves & Pessac’s zu verkosten gibt. Zusammen mit weiteren Verkostungen ergibt dies insgesamt 33 Weiße & 41 Rote aus diesem Gebiet. Die Weißen (trocken) stehen allgemein eine Stufe unter den Roten & somit trotzdem auf einem sehr guten Niveau. Sehr aromatisch aber nicht fett, keine säurebetonten, rassigen Weine, sondern mit Schmelz & meistens einer sehr guten Mineralität. Sie sollten schon relativ früh Genuss bieten sind aber auch mit guten bis sehr gutem Lagerpotenzial ausgestattet. Der Einsatz des Barriques ist mit sehr viel Gefühl erfolgt bzw. erfolgt noch weiter, da die Weine noch in den Barriques liegen. Sollten die Preise „normal“ bleiben, so dürfte man ein sehr gutes PLV vorfinden.

Die Roten sind nicht ganz so gleichmäßig in der Qualität. Da gibt es den einen oder anderen sehr wuchtig-alkoholischen Wein & ein paar Güter weisen eine etwas vegetabile Aromatik auf. Sehr gut gefallen haben mir Ferrande, Smith Haut-Lafitte, Larrivet-Haut-Brion, de Chevalier. Nochmal probieren muss ich Pape-Clément, der sich etwas sehr schlank präsentierte, was normal nicht dessen Charakter ist.

Und nun noch kurz auf den „Abschlussball“ der Union des Grands Crus de Bordeaux %& danach ab zum Flughafen. Ich hätte mir viel, sehr viel mehr Zeit auf dem „Abschlussball“ nehmen können – siehe am Anfang des Textes.

Die einzelnen Degustations-Notizen werden im Moment ausformuliert & dann fortlaufend online geschaltet.

Mein vorläufiges, übergreifendes Fazit des 2009er Bordeaux Jahrgangs

Rot – Jahrhundertjahrgang!

Weiß trocken – Sehr gut!

Weiß süß – Jahrhundertjahrgang!


Die Bewertungen im Einzelnen (werden laufend ergänzt):

Barsac/Sauternes

Graves/Pessac-Léognan

Haut-Médoc/Listrac-Médoc/Médoc/ Moulis en Médoc

Saint-Estèphe/Saint-Julien/Bordeaux/Bordeaux Supérieur/Côtes de Blaye/Bordeaux Côtes de Francs/Côtes de Castillon

Pomerol/Pauillac

Saint-Émilion



Hier noch ein paar Impressionen der BDX-Woche

Wegweiser zu Montrose

Mächtiger Anblick

Der Wächter auf Petrus

Der Professor Denis Dubourdie

Flüssiges Gold inkl. Heiligenschein

Cos d'Estournel Mit (Auto) Rahmen

 

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2 Kommentare zu “BDX Tagebuch 2010”

  1. LASSALLE Isablle says:

    Hallo Sehr geehrter Herr SIGI HISS, sie waren gestern Nachmittag in meinem Keller in Saint Julien, ich wollte nur sagen, dass es wäre gut auch, dass Sie CH Clos Haut Peyraguey besuchen und den Wein probieren. Martine Pauly(die Besitzerin)hat viel gemacht für die Qualität seit 2007 Jahrgang…So warum nicht dort zu probieren ?Der Wein wird auch in Ch DAUZAC sein…
    MFG
    Isabelle LASSALLE

  2. sigi.hiss says:

    hallo isabelle lassalle,
    ich weiss das, hatte den 2008 schon sehr gut bewertet. merci für ihre information. ich werde den wein von haut peyraguey aif jedenfall probieren, serh wahrscheinlich sogar zweimal.
    gruss sigi hiss

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